Ultraschall Med 2017; 38(S 01): S1-S65
DOI: 10.1055/s-0037-1606985
P 2: Poster Interdisziplinär: Poster Präsentation
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus 10 Jahren Ultraschall-basierter Diagnostik und konservativer Therapie von Hüftdysplasie in der Mongolei

T Baumann
1  Institut für Hausarztmedizin und Community Care, Luzern/CH
,
B Munkuu
2  National Center for Maternal and Child Health, Ulaanbaatar/MN
,
S Essig
1  Institut für Hausarztmedizin und Community Care, Luzern/CH
,
R Schmid
3  Baarer Kinderarztpraxis, Baar/CH
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
14 September 2017 (online)

 

Problemstellung:

Die Hüftdysplasie (DDH) ist die häufigste Entwicklungsstörung des Bewegungsapparats und führt, wenn falsch oder ungenügend behandelt, zu einem lebenslangen Leiden. So auch in der Mongolei. Seit zehn Jahren wird dort, in Zusammenarbeit mit der Regierung, ein Neugeborenscreening für DDH im ganzen Land aufgebaut. Neben der Ausrüstung mit Ultraschallgeräten wurden die mongolischen Ärztinnen in der Methode Graf ausgebildet und durch ein webbasiertes Qualitätskontrolltool unterstützt.

Patienten und Methode:

2007 wurde nach Einführung der Graf-Methode in Ulaanbaatar eine erste Studie durchgeführt. 572 Kinder zeigten die aus dem deutschsprachigen Raum bekannte Inzidenz der Hüfttypen. Es entsteht ein landesweites Screeningprogramm, welches erlaubt in einer prospektiven Kohortenstudie eine wachsende Zahl von Kindern in immer mehr Landesregionen zu erfassen. Dabei werden alle Kinder mit DDH mittels Tübingerschiene behandelt.

Ergebnis:

Durch die einfache Behandlungsmethode, die in der Regel in den ersten Lebenstagen begann, konnten alle Kinder im Schnitt nach 6 Wochen geheilt entlassen werden (Munkhuu et al. 2013). Die Untersuchungen werden im Internet überwacht (4-Augen-Prinzip) und erreichen eine hohe Qualität. Eine Nachkontrolluntersuchung der behandelten Kinder im Alter von 4 Jahren ergab einen bleibenden Behandlungserfolg ohne Sekundärschäden in Form von Hüftkopfnekrosen oder residuellen Dysplasien (Essig et al., under review). Nach nun zehn Jahren können die Neugeborenen aller Regionen der Mongolei (rund 80'000 Geburten/Jahr) untersucht und allenfalls behandelt werden.

Schlussfolgerung:

Das diagnostische und konservativ-therapeutische Vorgehen wurde vereinfacht und es konnte dessen Wirksamkeit nachgewiesen werden. Ein Präventionsprogramm für Hüftdysplasie kann mit einfachen Mitteln erreicht und nachhaltig weiterentwickelt werden. Eine Kosten-Nutzen-Studie zur Übertragbarkeit auf ein Land wie die Schweiz ist in Vorbereitung.