Ultraschall Med 2017; 38(S 01): S1-S65
DOI: 10.1055/s-0037-1606953
V 2: Pädiatrie I
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vereinfachte Ultraschall-Klassifikation der Säuglingshüfte nach Graf gemäss diagnostisch-therapeutischen Richtlinien

R Schmid
1  Baarer Kinderarztpraxis, Baar/CH
,
T Baumann
2  Institut für Hausarztmedizin und Community Care, Luzern/CH
,
S Essig
2  Institut für Hausarztmedizin und Community Care, Luzern/CH
,
B Munkuu
3  National Center for Maternal and Child Health, Ulaanbaatar/MN
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Publication History

Publication Date:
14 September 2017 (online)

 

Problemstellung:

Basierend auf den Erfahrungen des SwissMongolian Pediatric Projects (von 2012 bis 2016 über 200'000 Untersuchungen und 3'500 erfolgreiche Therapien) und den Resultaten einer prospektiven Kohortenstudie, setzen wir im Rahmen des nationalen Ultraschall-Screeningprogrammes für Hüftdysplasie (DDH) eine neuartige, diagnostisch-therapeutische Gruppeneinteilung ein.

Patienten und Methode:

Es handelt sich um eine Adaptation des Graf-Systems in der Anwendung bei Neugeborenen. Nach therapeutischen Gesichtspunkten fassen wir die verschiedenen Hüfttypen zu lediglich 4 Gruppen zusammen. Gruppe A-Hüften sind nach Graf-Kriterien gesund und werden nicht weiter verfolgt; B-Hüften sind physiologisch unreif und benötigen eine Ultraschall-basierte Nachkontrolle um eine Progression zur DDH auszuschließen; C-Hüften sind dysplastisch und erhalten unmittelbar eine Behandlung mittels Flexions-Abduktions-Orthese; D-Hüften sind dysplastisch und der Femurkopf luxiert mit interponiertem Pfannendachknorpel, sie benötigen – nach initialem Versuch mit Orthese – meist eine chirurgische Versorgung.

Ergebnis:

Die ABCD-Einteilung der Säuglingshüfte wurde in fast der ganzen Mongolei eingeführt. In Grund- und Aufbaukursen für Screener wird die adaptierte Methode gelehrt. Inzwischen wird sie von rund 200 Anwendern in 23 Kliniken auf 36 digitalen Ultraschallgeräten eingesetzt. Da mit wenigen Ausnahmen alle Graf-Typen der DDH mittels einfacher Abspreizbehandlung in Sitz-Hock-Stellung zur Ausreifung gebracht werden konnten, erwies sich die strenge Einteilung nach Graf-Typen für die Anwender als zu kompliziert und für unser Konzept als nicht relevant.

Schlussfolgerung:

Für die Anwender der Hüftsonografie ist die neue Klassifikation eine erhebliche und plausible Vereinfachung.