Gesundheitswesen 2017; 79(08/09): 656-804
DOI: 10.1055/s-0037-1605951
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Entwicklung einer Autorenbefragung zur Überprüfung konzeptioneller und praktischer Herausforderungen in Bürger- und Patientenbeteiligung

J Lander
1  Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
,
ML Dierks
1  Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
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Publication History

Publication Date:
01 September 2017 (online)

 

Einführung:

Ein wesentlicher Aspekt bei der Planung und Durchführung von Bürger- und Patientenbeteiligungsverfahren („Patient and Public Involvement“: PPI) im Gesundheitswesen ist die Entscheidung darüber, welche Teile der Öffentlichkeit einbezogen werden sollen. Herausforderungen wie die Rekrutierung von Teilnehmenden und die Repräsentativität des Samples wurden bislang vor allem aus theoretischer/normativer Sicht diskutiert. Dies soll mit der vorliegenden Arbeit um eine empirische Perspektive ergänzt werden.

Methodik:

Um aktuelle Praktiken und Präferenzen der Teilnehmerauswahl zu erheben, erfolgte 2016 eine systematische Literaturrecherche von PPI Publikationen in internationalen Fachdatenbanken, ergänzt um eine Handsuche in relevanten Fachzeitschriften. Nach Überprüfung konnten 315 Studien aus 8.329 Treffern identifiziert werden. Die nationalen und internationalen Autoren dieser Studien wurden mittels einer Online-Befragung zur Relevanz von Repräsentativität und ihren spezifischen Auswahlkriterien für das Sampling befragt.

Ergebnisse:

40% (n = 126) der Autoren haben den Fragebogen beantwortet, ein großer Teil bewertete die Repräsentativität und Vorgehensweise bei der Rekrutierung als wichtige Aspekte. Die Umsetzung wird jedoch oft als Herausforderung gesehen, etwa die Definition „gut geeigneter“ Teilnehmer (weder schwierig noch einfach/schwierig/sehr schwierig 55,6%) oder das grundsätzliche Erreichen von Repräsentativität (eher schwierig/sehr schwierig, 68,3%). Zudem wünschen sich viele Autoren zukünftig mehr methodische Orientierung bzw. Anleitung (53,4%) und Änderungen im Konzept von PPI (70,4%).

Schlussfolgerungen:

Um den Herausforderungen in Planung und Durchführung von PPI gerecht zu werden, sollten die bislang eher theoretisch diskutierten Ansätze durch Erfahrungen aus der Praxis ergänzt werden. Die Autorenbefragung kann methodisch wie inhaltlich dazu beitragen, die zukünftige Forschung und Praxis auf diesem Gebiet zu informieren.