Gesundheitswesen 2017; 79(08/09): 656-804
DOI: 10.1055/s-0037-1605891
Poster
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hilfesuche bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit selbstverletzendem Verhalten

C Voß
1  TU Dresden, Behaviorale Epidemiologie, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Dresden
,
J Venz
1  TU Dresden, Behaviorale Epidemiologie, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Dresden
2  TU Dresden, Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies, Dresden
,
L Pieper
1  TU Dresden, Behaviorale Epidemiologie, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Dresden
2  TU Dresden, Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies, Dresden
,
C Frech
1  TU Dresden, Behaviorale Epidemiologie, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Dresden
,
J Hoyer
1  TU Dresden, Behaviorale Epidemiologie, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Dresden
,
K Beesdo-Baum
1  TU Dresden, Behaviorale Epidemiologie, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Dresden
2  TU Dresden, Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies, Dresden
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Publication History

Publication Date:
01 September 2017 (online)

 

Fragestellung:

Weniger als 50% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit selbstverletzendem Verhalten suchen Hilfe auf. Das Ziel dieser Analyse ist die Beschreibung der Hilfesuche bei 14 – 21 jährigen Personen mit nicht-suizidalem selbstverletzendem Verhalten (NSSV) und suizidalem Verhalten (SV) in der Allgemeinbevölkerung. Dabei sollen Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht und komorbiden psychischen Störungen untersucht werden.

Methoden:

Für die Analysen wurden die Daten der Behavior and Mind Health (BeMIND) Studie herangezogen, in welcher N= 1180 Jugendliche und junge Erwachsene aus der Allgemeinbevölkerung Dresdens im Jahr 2015/16 untersucht wurden. SV, Hilfesuche und komorbide psychische Störungen wurden lebenszeitbezogen retrospektiv mit dem standardisierten Composite International Diagnostic Interview erfasst. Des Weiteren wurden Angaben zu NSSV mit einem Fragebogen erhoben. Mit logistischen Regressionen wurden die Zusammenhänge bestimmt.

Ergebnisse:

Von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen berichteten 5,7% nur SV, 7,5% nur NSSV und 5,8% beides. Von diesen Gruppen haben 38,4%, 33,7% und 63,0% jemals irgendeine Hilfe aufgrund psychischer Probleme aufgesucht. Eine medikamentöse, verhaltenstherapeutische oder andere psychotherapeutische Behandlung wurde von 27,9%, 25,7% und 49,6% berichtet. Davon haben insgesamt 29,1% vor dem ersten Auftreten von SV oder NSSV eine Behandlung erhalten. Es zeigten sich keine Geschlechts- und Altersunterschiede hinsichtlich der Hilfesuche. Bei zwei komorbiden psychischen Störungen und SV und NSSV war die Hilfesuche signifikant höher.

Schlussfolgerungen:

Jugendliche und jungen Erwachsene mit selbstverletzendem Verhalten zeigen eine unzureichende Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Eine spezifischere Untersuchung der Zugänge zu Hilfsangeboten ist nötig, um die Inanspruchnahme zu erhöhen. Zudem berichten mehr als ein Viertel SV oder NSSV in den Jahren nach einer Behandlung, was ein längerfristiges Monitoring notwendig macht.