Gesundheitswesen 2017; 79(08/09): 656-804
DOI: 10.1055/s-0037-1605680
Vorträge
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Selbstmanagementförderung bei chronischer Erkrankung – Evaluationsergebnisse aus den INSEA-„Gesund und aktiv leben“-Kursen

M Haack
1  Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover
,
G Seidel
1  Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover
,
ML Dierks
1  Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover
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Publication History

Publication Date:
01 September 2017 (online)

 

Einleitung:

Seit Anfang 2015 bietet die Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben (INSEA) evidenzbasierte und indikationsübergreifende Selbstmanagementkurse für Menschen mit chronischen Erkrankungen an. In Gruppen von bis zu 18 Personen werden an sechs Terminen Wege zum aktiven Umgang mit der Erkrankung erlernt und erprobt, mit dem Ziel, die Lebensqualität der Teilnehmenden zu verbessern.

Methodik:

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitevaluation werden die Teilnehmenden zu drei Zeitpunkten per standardisiertem Fragebogen interviewt: zu Kursbeginn, Kursende und 6 Monate nach Kursende. Erhoben werden Gesundheitskompetenz, Selbstwirksamkeit, subjektiver Gesundheitszustand, Einschränkungen im Alltag, Versorgungsnutzung und Zufriedenheit mit dem Kursprogramm.

Ergebnisse:

Bis Ende 2016 wurden 59 INSEA-Kurse durchgeführt. 523 Teilnehmende beteiligten sich an der Evaluation zu Kursbeginn und Kursende (80% weiblich; mittleres Alter: 59 Jahre; niedrige Schulbildung: 28%; Migrationshintergrund 7%). Verbesserungen nach Kursabschluss konnten vor allem in der Selbstwirksamkeit (Cohens D = 0,6) und den Selbstmanagementkompetenzen (D = 0,5) der Befragten festgestellt werden. Zudem zeigt sich, dass besonders Personen unter 60 Jahren (Selbstwirksamkeit: D = 0,8; Selbstmanagementkompetenzen; D = 0,6) und Personen mit Migrationshintergrund (Selbstwirksamkeit: D = 0,9; Selbstmanagementkompetenzen: D = 1,1) profitieren. Zum Kongresszeitpunkt werden weitere Daten sowie Auswertungen des dritten Messzeitpunktes vorliegen.

Schlussfolgerungen:

Die bisherigen Evaluationsergebnisse zeigen die erwartete Wirkung des Programmes. Die erzielten Effekte bei Menschen mit Migrationshintergrund sind zudem richtungweisend – zukünftige Umsetzungs- und Rekrutierungsstrategien sollten diese vulnerable Personengruppe, die bisher nur wenig in den Kursen vertreten ist, aber besonders stark profitiert, fokussieren. Zudem sollten chronisch erkrankte Männer gezielter angesprochen werden.