Z Gastroenterol 2017; 55(05): e1-e27
DOI: 10.1055/s-0037-1603047
Kategorie „Klinische Forschung“
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vorschlag für eine standardisierte Klassifikation HCC-suspekter Leberraumforderungen bei Risikopatienten im kontrastverstärkten Ultraschall (LI-RADS-CEUS)

B Schellhaas
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
,
D Wildner
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
,
L Pfeifer
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
,
RS Goertz
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
,
A Hagel
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
,
MF Neurath
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
,
D Strobel
1  Medizinische Klinik 1, Universitätsklinikum Erlangen
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Hintergrund:

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) kann bei Risikopatienten nicht-invasiv diagnostiziert werden, wenn ein typisches Vaskularisationsmuster in der kontrastverstärkten Bildgebung vorliegt. Bestrebungen nach verbesserter Standardisierung in Befundung und Dokumentation HCC-suspekter Läsionen in der Schnittbildgebung führten zur Entwicklung des CT-und MRT-basierten Diagnosealgorithmus LI-RADS (Liver Imaging Reporting and Data System) durch das American College of Radiology (ACR) 2011. Der kontrastverstärkte Ultraschall (CEUS) bietet viele Vorteile gegenüber den Schnittbildverfahren (Darstellung der Perfusionskinetik in Echtzeit, fehlende Nephrotoxizität, schnelle Verfügbarkeit, gute Kosteneffizienz), gilt aber als stärker untersucherabhängig. Wir entwickelten und untersuchten daher einen standardisierten Kontrastmittel-Ultraschall- (CEUS-) basierten Algorithmus für die Diagnostik hepatozellulärer Karzinome (HCCs) bei Risikopatienten.

Material und Methoden:

Ein Kontrastmittel-Ultraschall (CEUS)-basierter Algorithmus (LI-RADS-CEUS) wurde analog zum CT- und MRT-basierten LI-RADS (Liver Imaging Reporting and Data System) entwickelt unter Berücksichtigung der spezifischen Eigenschaften der rein intravasal wirksamen Ultraschall-Kontrastmittel. Im konventionellen Ultraschall detektierte Leberraumforderungen wurden anhand von Größe und Kontrastmittelverhalten in der arteriellen, portalvenösen und Spätphase in Kategorien von LR-CEUS-1 (sicher benigne) bis LR-CEUS-5 (sicheres HCC) eingeteilt. Eine separate Kategorie LR-CEUS-C diente zur Klassifikation intrahepatischer cholangiozellulärer Karzinome (ICCs). Als Zusatzkriterium wurde „subtotale Infiltration eines Leberlappens“ eingeführt. Separate Kategorien bezeichneten Läsionen mit Makrogefäßinvasion (LR-CEUS-V) sowie vorbehandelte („treated“) Herde (LR-CEUS-Tr).

Der Kontrastmittel-Ultraschall (CEUS)-basierter Algorithmus wurde retrospektiv an 50 Risikopatienten mit gesicherten HCC- oder Nicht-HCC-Läsionen getestet (Testgruppe) und anschließend prospektiv bei 50 Risikopatienten validiert (Validierungsgruppe). Als Referenz dienten Histologie, CT oder MRT.

Ergebnisse:

Im Gesamtkollektiv (retrospektiv/prospektiv) lagen 46/41 HCCs, 3/3 intrahepatische cholangiozelluläre Karzinome (ICCs) und 1/6 benigne Leberläsionen vor. Die diagnostische Genauigkeit von LI-RADS-CEUS für HCC, ICC und Nicht- HCC-/-ICC-Herde betrug insgesamt 89%.

Für HCCs war die diagnostische Genauigkeit in der retrospektiven Kohorte 93,5% (43/46 HCCs) und in der prospektiven Kohorte 95,1% (39/41 HCCs) im Vergleich zum Goldstandard (Histologie bei 87% bzw. 56,1%; CE-CT, CE-MRT). Die Sensitivität, Spezifität, PPW und NPW für HCCs betrugen 94,3%/66,6%/94,3% und 66,6% (Mittelwerte beider Patientenkohorten).

Ein arterielles Hyperenhancement fand sich bei 68/87 HCCs (78,2%), 66% der HCCs zeigten das „typische“ Muster eines arteriellen Hyperenhancements mit nachfolgendem Washout in der portalvenösen Phase oder Spätphase. Dieses „Hyper-Hypo“-Muster fand sich jedoch auch bei 9 Nicht-HCCs (4 ICCs, 1 Regeneratknoten, 1 dysplastischer Knoten, 3 Läsionen ohne Anhalt für Malignität). 7 HCCs (8%) zeigten arterielles Hyperenhancement ohne Washout. Ein arterielles Hyperenhancement ohne Washout wurde bei keiner Nicht-HCC-Läsion beobachtet. Insbesondere große HCCs mit Makrogefäßinfiltration und/oder diffuser Infiltration eines Leberlappens zeigten oft kein „HCC-typisches“ Kontrastmittelverhalten.

Bei 4/6 ICCs fand sich ein frühes Washout (innerhalb < 60 Sekunden).

Schlussfolgerungen:

Der neu entwickelte CEUS-basierte Diagnosealgorithmus besitzt eine hohe diagnostische Treffsicherheit für HCCs bei Hochrisikopatienten. Arterielles Hyperenhancement ist der wichtigste Parameter für die Diagnose eines hepatozellulären Karzinoms im kontrastverstärkten Ultraschall. Das portalvenöse Washout des Kontrastmittels kann beim HCC fehlen. Bei ICCs findet sich häufig ein frühes Washout innerhalb von 60 Sekunden. Durch das Zusatzkriterium „subtotale Infiltration“ lassen sich auch diffus-infiltrierende HCCs erfassen, die oft kein charakteristisches Kontrastmittelverhalten zeigen.

Die diagnostische Treffsicherheit und praktische Anwendbarkeit des neu entwickelten CEUS-basierten Diagnosealgorithmus sollte im Vergleich zum MRT (LIRADS-MRT) an einem größeren Patientenkollektiv prospektiv validiert werden.