Z Gastroenterol 2017; 55(05): e1-e27
DOI: 10.1055/s-0037-1603044
Kategorie „Klinische Forschung“
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Frühe duodenale neuroendokrine neuroendorine Tumoren (NET) – Behandlungsoptionen – Follow Up

F Scheerer
1  Neuperlach, 1. med. Abteilung, Städtisches Klinikum München GmbH
,
W Schmitt
1  Neuperlach, 1. med. Abteilung, Städtisches Klinikum München GmbH
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Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Einleitung:

Frühe duodenale neuroendokrine Neoplasien (dNEN) werden wie bekannt vermehrt diagnostiziert. Im Bulbus lokalisierte nicht-funktionelle dNEN sind unverändert die mit Abstand häufigste Entität. In unserer Auswertung von 2012 (17 Fälle, Literaturstelle 1) waren bei dNEN ohne Risikofaktoren (Größe bis max. 10 mm, G1-Situation, keine Invasion der Muscularis propria, keine Angioinvasion) in 10 von 11 Fällen (90,9%) die endoskopische Therapie ausreichend. Bei bestehenden Riskofaktoren war lediglich in einem von 5 Fällen eine alleinige endoskopische Therapie möglich. Bei Fehlen von Risikofaktoren konnte im damaligen Nachbeobachtungszeitraum (im Mittel 36,7 Monate) keine lymphonoduläre Metastasierung festgestellt werden. Die aktuelle, retrospektive Auswertung präsentiert die Folge-Daten.

Hauptteil:

Im erweiterten Zeitraum bis Februar 2017 (Nachbeobachtungszeitraum im Mittel 61,1 Monate) wurden inzwischen 26 Fälle von Patienten mit nicht-funktionellen NEN im Bulbus duodeni ausgewertet. Das Durchschnittsalter der Patienten lag unverändert bei 65,7 Jahren, die mittlere Tumorgröße bei 9,1 mm, der Proliferationsindex Ki67 max. bei 5% (NET G2). Unverändert ergab sich in den meisten Fällen eine Submucosa-Invasion. Bei dNEN ohne Risikofaktoren war in 14 von 15 Fällen (94,4%) die endoskopische Therapie ausreichend. Bei bestehenden Riskofaktoren war lediglich in 25% der Fälle (zwei von acht Fällen) eine alleinige endoskopische Therapie möglich. Bei Fehlen von Risikofaktoren konnte im bisherigen Nachbeobachtungszeitraum keine lymphonoduläre Metastasierung festgestellt werden. Unverändert zeigte sich bei Vorhandensein von Risikofaktoren bzw. vorliegender Operationsindikation ein Anstieg der Rate von Lymphknotenmetastasen (17% bzw. 100%).

Fazit:

Die Follow-Up-Daten bestätigen das High-Risk/Low-Risk-Konzept (siehe unten). Bei frühen nichtfunktionellen dNEN im Bulbus mit Risikofaktoren (Vorhandensein einer G2-Situation, Tumorgröße > 10 mm, Infiltration der Muscularis propria) steigt die Notwendigkeit einer operativen Versorgung. Sind keine Risikofaktoren vorhanden („Low-Risk-Gruppe“) ist die endoskopische Entfernung die Therapie der Wahl.

Low-Risk-Gruppe: Tumorgröße bis max. 10 mm (T1), Tiefeninvasion bis maximal in die Submukosa, fehlende Angioinvasion, Vorliegen eines G1-Stadium (Ki67 ≤2%).

In diesen Fällen ist eine endoskopische Entfernung der dNEN im Bulbus die Therapie der Wahl. Eine Operation ist nicht erforderlich.

High-Risk-Gruppe: G2-Situation, NEN zwischen 11 und 20 mm, ansonsten Kriterien wie in der Low-Risk-Gruppe. In diesen Fällen sollte bei operablen Patienten nach ausführlicher Diagnostik (inkl. EUS/Somatostatinrezeptor-Bildgebung, CT etc..) die Therapie i.R. einer interdisziplinären Tumorkonferenz festgelegt werden. Der Vorteil der Lokaltherapie mit geringer Invasivität muss mit dem erhöhten Risiko der LK-Metastasierung abgewogen werden. In der Regel wird man sich zum operativen Vorgehen entscheiden.

Fortgeschrittene dNEN liegen vor bei Vorhandensein von LK- Metastasen, einer Größe der duodenalen NEN > 20 mm (hohes Risiko für die Entwicklung von LK-Metastasen), Angioinvasion, Eindringtiefe bis in die Muscularis propria sowie dem Vorhandensein von Funktionalität/Gastrinom. In diesen Fällen sollte primär eine chirurgische Versorgung mit Lymphadenektomie angestrebt werden.