Z Gastroenterol 2017; 55(05): e1-e27
DOI: 10.1055/s-0037-1603032
Kategorie „Klinische Forschung“
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Stellenwert der adjuvanten Chemotherapie nach neoadjuvanter Radio- oder Radiochemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom

S Lichthardt
1  Universitätsklinikum Würzburg
,
V Kunzmann
1  Universitätsklinikum Würzburg
,
CT Germer
1  Universitätsklinikum Würzburg
,
J Pelz
1  Universitätsklinikum Würzburg
,
A Wiegering
1  Universitätsklinikum Würzburg
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Hintergrund:

Das kolorektale Karzinom ist die zweithäufigste Tumorentität der westlichen Welt. Etwa die Hälfte dieser Karzinome sind im Rektum lokalisiert, was aufgrund der potentieller Kontinenzgefährdung, der extraperitonealen Lage und damit verbundener Metastasierung als unabhängiges Krankheitsbild gewertet wird. In den vergangenen Jahren konnten Evidenzen für eine neoadjuvante Radio-(Chemo)-Therapie mit anschließender onkologischer Resektion zur Verbesserung des Outcomes lokal fortgeschrittener Rektumkarzinome gewonnen werden, wohingegen der Stellenwert der adjuvanten Therapie kontrovers diskutiert wird.

Methoden:

Anhand des prospektiven Tumorregisters des Universitätsklinikums Würzburg erfolgte die retrospektive Analyse von 263 Patienten, die zwischen 1992 und 2013 bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom eine neoadjuvante Therapie mit anschließender onkologischer Rektumresektion erhalten haben, unter Berücksichtigung des Gesamtüberlebens in Abhängigkeit der Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie.

Ergebnisse:

Die Patienten der Studienpopulation (n = 263) waren im Median 65 Jahre (27 – 89 Jahre) alt, vornehmlich männlich (n = 191; 72,6%) und hatten größtenteils einen ASA-Score von II-III. 143 Patienten (54,3%) erhielten eine adjuvante Therapie. Diese waren signifikant jünger (median: 10 Jahre; p < 0,05) und in besserem Gesundheitszustand (ASA-Score; p < 0,05) als die Kontrollgruppe, wobei signifikant höhere ypUICC-Stadien vorlagen (p < 0,05). Das tumorbedingte Gesamtüberleben der adjuvant therapierten Patienten war signifikant besser (5-JÜR: 87,4%; p = 0,025) als bei Patienten ohne Adjuvanz. Die durchgeführten Subgruppenanalysen konnten keine signifikanten Unterschiede in der Art der neoadjuvanten Therapie (Radiotherapie vs. Radiochemotherapie) nachweisen, jedoch konnte gezeigt werden, das insbesondere Patienten mit niedrigerem, histopathologischem Tumorstadium (ypUICC 0 + I) einen signifikanten Überlebensvorteil von einer adjuvanten Chemotherapie hatten (p = 0,035).

Schlussfolgerung:

Anhand der erhobenen Daten sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom durch eine adjuvante Therapie einen signifikante Überlebensvorteil erhalten, insbesondere bei niedrigeren histopathologischen Tumorstadien (ypUICC 0+I). Dies wird unserer Meinung nach durch unterschiedliche Tumorbiologien und daraus resultierendes, unterschiedliches Ansprechen auf die neoadjuvante Therapie bedingt.

Es sollten – insbesondere in Anbetracht des heterogenen Studienkollektivs – prospektiv randomisierte Studien erfolgen, um die Bedeutung der adjuvanten Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinomen anhand des Regressionsscores näher zu untersuchen.