Z Gastroenterol 2017; 55(05): e1-e27
DOI: 10.1055/s-0037-1603028
Kategorie „Klinische Forschung“
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Effektivität eines multimodalen Gewichtsreduktionsprogramms zur Therapie der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung

S Hohenester
1  Medizinische Klinik und Poliklinik II, Klinikum der Universität München
,
S Christiansen
2  Innere Medizin I – Gastroenterologie, Krankenhaus Barmherzige Brüder München
,
R Wimmer
1  Medizinische Klinik und Poliklinik II, Klinikum der Universität München
,
R Artmann
1  Medizinische Klinik und Poliklinik II, Klinikum der Universität München
,
G Denk
1  Medizinische Klinik und Poliklinik II, Klinikum der Universität München
,
M Bischoff
2  Innere Medizin I – Gastroenterologie, Krankenhaus Barmherzige Brüder München
,
G Bischoff
2  Innere Medizin I – Gastroenterologie, Krankenhaus Barmherzige Brüder München
,
C Rust
2  Innere Medizin I – Gastroenterologie, Krankenhaus Barmherzige Brüder München
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Hintergrund:

Die Prävalenz der Adipositas steigt in Deutschland kontinuierlich an und beträgt derzeit knapp 25% der erwachsenen Bevölkerung. Als Folgemorbidität treten neben dem Diabetes mellitus auch eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) bzw. Fettleberhepatitis (NASH) auf, die zur Zirrhose der Leber mit ihren Folgekomplikationen fortschreiten können. Mangels pharmakologischer Therapieoptionen der NAFLD steht die Therapie der Adipositas im Vordergrund. Leitliniengerecht erfolgt diese per multimodalem Gewichtsreduktionsprogramm. Deren Effektivität hinsichtlich der Therapie der Adipositas ist gut belegt. Der therapeutische Effekt im Hinblick auf NAFLD/NASH ist bisher jedoch nicht evaluiert.

Methoden:

Im Jahr 2015 wurden 43 Patienten mit Adipositas ab Grad II in ein formuladiät-basiertes multimodales Gewichtsreduktionsprogramm eingeschlossen. Einer 12-wöchigen Therapie mit niedrig kalorischer Formuladiät (LCD, ca. 850 kcal/d) schloss sich ein multiprofessionelles Coaching-Programms zur Lebensstiländerung über neun Monate an. Zu Beginn sowie nach 12, 26 und 52 Wochen wurden neben klinischen und laborchemischen Routinedaten (Gewicht, BMI, GPT, gGT, HbA1c) auch die bioelektrische Impedanz (BIA), sonographisch die Steatosis hepatis und mittels Multiplex-ELISA die Serumkonzentrationen von inflammatorischen Zytokinen und Adiponektinen bestimmt.

Ergebnisse:

39 Patienten (91%) zeigten auch im Langzeitverlauf (52 Wochen) ein Therapieansprechen (d.h. Verlust von > 10% des Ausgangsgewichts, bei initialem BMI von > 35 kg/m2) mit einer mittleren Gewichtsänderung von 122,0 ± 24,5 auf 97,3 ± 19,7 kg (p < 0,001). Die Dyslipidämie ließ nach, wie durch fallende Spiegel von Serum-LDL-Cholesterin (126,8 ± 37,0 vs. 107,7 ± 29,8 mg/dl, p < 0,001; Anteil der Patienten mit pathologischen Werten 41% vs. 31%) und sinkende Triglyzeride (165,0 ± 92,1 vs. 107,1 ± 91,3 mg/dl; 30,8% vs. 7,7%) gezeigt. Der Glukosestoffwechsel verbesserte sich bei fallendem HbA1c (5,6 ± 0,7 vs. 5,2 ± 0,5%; 7,7% vs. 2,6%) und normalisierten Nüchternglukosewerten (101,4 ± 19,7 vs. 89,7 ± 10,8 mg/dl; 33,3% vs. 12,8%). Das Adipokinprofil war ebenfalls verbessert: Serum-Adiponektin stieg an (7,1 ± 4,9 vs. 8,6 ± 5,7pg/ml, p < 0,05), während die erhöhten Leptinspiegel zurück gingen (35,1 ± 25,9 vs. 22,0 ± 20,4 ng/ml, p < 0,01). Bei den Patienten mit sonographisch nachgewiesener Steatosis hepatis zu Beginn (n = 20) bildete sich diese bei 13 Patienten zurück (p < 0,001, Chi-Quadrat-Test). Analog sank bei Patienten mit initial pathologischen Werten die GPT (n = 12, 32,8 ± 17,4 vs. 22,1 ± 9,6, p < 0,001) und gGT (n = 11, 32,3 ± 23,6 vs. 25,5 ± 23,3, p < 0,02).

Schlussfolgerung:

Die Anwendung eines formuladiät-basierten multimodalen Gewichtsreduktionsprogramms verbesserte signifikant das Übergewicht bei Patienten mit Adipositas ab Grad II und führte zu einer Normalisierung von Markern des metabolischen Syndroms. Erstmals wurde gezeigt, dass die Therapie im langfristigen Verlauf von 52 Wochen auch effektiv in der Senkung des Anteils von Patienten mit Fettleber und in der Normalisierung laborchemischer Marker der NAFLD-assoziierten Hepatopathie war. Eine gezielte Evaluation dieser Therapie in Patienten mit NASH scheint daher gerechtfertigt.