Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602572
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Retrospektive Datenauswertung zur Inanspruchnahme, Compliance, Verträglichkeit und Lebensqualität in Abhängigkeit einer komplementärmedizinischen Behandlung bei Patientinnen mit Mammakarzinom

B Welz
1  Frauenklinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
A Hapfelmeier
2  Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
M Kiechle
1  Frauenklinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
D Paepke
1  Frauenklinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
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Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Komplementäre Behandlungsmethoden werden zunehmend in das Gesamttherapiekonzept von Brustkrebspatientinnen integriert. Die Datenlage zur Inanspruchnahme, Compliance, Verträglichkeit und Lebensqualität ist limitiert.

436 Patientinnen mit Mammakarzinom stellten sich in den Jahren 2012 bis 2016 in der integrativen Sprechstunde der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar vor. Die Akten dieser Patientinnen wurden hinsichtlich ihrer Tumorsituation, schulmedizinischen Therapiephase, ihrer verordneten CAM und der Compliance bezüglich der Komplementärtherapie ausgewertet.

81% (n = 352) der Patientinnen befanden sich in einer adjuvanten Situation, darunter 10% (n = 34) mit Rezidiv und 4% (n = 13) mit einen Zweitkarzinom der Brust. 19% (n = 84) waren metastasiert. Die Patientinnen befanden sich überwiegend unter Behandlung mit Chemo- (38%/n = 166) oder antihormoneller Therapie (31%/n = 137).

12% (n = 52) nutzen die Sprechstunde als Zweitmeinung. 51% (n = 223) der Patientinnen waren compliant und besuchten die Sprechstunde über einen längeren Zeitraum (Median 12 Monate), 37% (n = 161) der Patientinnen waren non-compliant, darunter 22% (n = 36) die auch schulmedizinisch non-compliant waren.

Die Misteltherapie wurde am häufigsten verordnet (78%). 90 von 93 Patientinnen (96,8%) gaben eine gute Verträglichkeit an. Lediglich bei 11 Patientinnen traten unerwünschte Wirkungen auf.

108 Patientinnen machten subjektive Angaben zur Lebensqualität. Bei 50% (n = 54) zeigte sich ein gesteigertes Wohlbefinden. Bei 44% verbesserte sich die Verträglichkeit der schulmedizinischen Therapie (n = 47) und 24% (n = 26) berichteten über mehr Energie.

Das mediane Alter der Patientinnen lag bei 52 Jahren.

81% der Patientinnen mit Interesse an CAM befinden sich in einer kurativen Situation. Die Compliance der CAM Therapie in einem universitären Setting liegt bei 51%.

39% der Patientinnen, die bezüglich der komplementären Therapie compliant waren, zeigten eine subjektive Verbesserung der Lebensqualität.