Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602569
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mastektomie mit Drainage vs. Mastektomie mit TissuGlu®-Gewebekleber – eine prospektiv-randomisiert-kontrollierte Studie

J Unger
1  Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Interdisziplinäres Brustzentrum, Greifswald, Deutschland
,
R Rutkowski
2  Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Plastische Operationen, Greifswald, Deutschland
,
T Kohlmann
3  Institut für Community Medicine/Universitätsmedizin Greifswald, Methoden der Community Medicine, Greifswald, Deutschland
,
M Zygmunt
1  Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Interdisziplinäres Brustzentrum, Greifswald, Deutschland
,
R Ohlinger
1  Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Interdisziplinäres Brustzentrum, Greifswald, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Zielsetzung:

Die Serombildung ist eine der häufigsten postoperativen Komplikationen (ca. 81%) nach mammachirurgischen Eingriffen. Retrospektive Studien konnten zeigen, dass die intraoperative, nach Mastektomie erfolgte Anwendung eines auf Polyurethanbasis entwickelten Gewebeklebers (TissuGlu®) die Seromproduktion zu minimieren vermag.

Ziel der Studie war eine vergleichende Betrachtung postoperativer Serombildung und daraus resultierender Interventionsnotwendigkeit nach Mastektomie und TissuGlu®-Anwendung gegenüber einer mittels Drainageeinlage behandelten Kontrollgruppe.

Materialien und Methoden:

Die Durchführung der Studie erfolgte als PRCT-Studie. Im Gesamtstudienzeitraum von 4 Jahren wurden 61 Frauen, davon 30 in die Test- (Gewebekleber) und 31 in die Kontrollgruppe (Drainage), eingeschlossen. Alle Patientinnen unterzogen sich einer Mastektomie mit oder ohne Sentinel-Lymphonodektomie. Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen eines 90 Tage Follow-Ups.

Ergebnisse:

Die Studienergebnisse zeigen eine Überlegenheit des Gewebeklebers hinsichtlich der Schmerzreduktion ab dem dritten postoperativen Tag mit statistischer Signifikanz an den Tagen vier (p = 0,001) und sechs (p = 0,043) sowie der Länge des Krankenhausaufenthaltes (p < 0,005). Bezüglich der Anzahl postoperativer Komplikationen (u.a. Serombildung), konsekutiv indizierter Interventionen (u.a. Punktionen) und des kumulativen Gesamtvolumens postoperativ gebildeten Wundsekrets, konnte eine Nichtunterlegenheit gegenüber der mittels Drainageeinlage behandelten Kontrollgruppe nachgewiesen werden.

Zusammenfassung:

Die Anwendung des TissuGlu®-Gewebeklebers nach Mastektomie mit oder ohne SLNE ist durch eine, gegenüber der isolierten Drainageeinlage, geringere Invasivität gekennzeichnet und zeigt, bei grundlegend nachgewiesener Nichtunterlegenheit, signifikante Vorteile hinsichtlich des postoperativen Schmerzzustandes und der Länge des Krankenhausaufenthaltes. Damit stellt das Verfahren, nicht nur vor dem Hintergrund verringerter patientenspezifischer Rekonvaleszenz sondern auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive, eine wichtige Alternative in der drainagefreien, operativen Therapie des Mammakarzinoms dar. Eine weitere Validierung der Daten sollte durch (inter-)nationale klinisch-multizentrische Studien erfolgen.