Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602550
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Verwendung des resorbierbaren, lysine-urethanbasierten Gewebeklebers (Tissuglu®) bei Mastektomiepatientinnen – Ergebnisse einer retrospektiven Analyse

V Sauter
1  Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
J Ettl
1  Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
M Niemeyer
1  Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
M Kiechle
1  Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
,
S Paepke
1  Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Fragestellung:

Patientinnen nach Mastektomie entwickeln bis zu 80% Serome und weitere Komplikationen, von denen 15% durchaus klinisch relevant werden können. Die Verwendung von Gewebeklebstoffen oder speziellen, wundraumverkleinernden Nahttechniken wurden und werden als Alternative zur Drainierung (D) geprüft.

Methodik:

Der Einsatz des Gewebeklebers (TG) erfolgte nach Präferenz der Patientin oder des Operateurs von 1/13 – 8/15 bei 114 Mastektomiepatientinnen (132 Mastektomien) +/- SLNB oder axillärer Dissektion. Aus den allgemeinen Daten der Krankenakten wurden operative Charakteristika und patientinnenbezogene Daten ausgelesen und retrospektiv ausgewertet.

Ergebnis:

Demographische und tumorbezogene Charakteristika, sowie Wundoberfläche waren gleichverteilt. In der TG-Gruppe wurden signifikant weniger axilläre Eingriffe durchgeführt. Palpable Schwellungen traten während des stationären Aufenthaltes (2 – 4 Tage) signifikant häufiger in der TG-Gruppe (30,4%) im Vergleich zur SWC (14,5%) auf; mit einer schwachen Korrelation zu Wundoberfläche (r 0,29) und Anzahl der entfernten Lymphknoten (r 0,32). Poststationär zeigte sich kein Unterschied bzgl Schwellungen/Seromen; Punktionen waren gleichverteilt; [TG median 3,83 (1 – 11) und 4,71 in D (1 – 17)]. In der TG-Gruppe wurde signifikant weniger Seromvolumen aspiriert (median 175,7 ml; min 15, max 500) verglichen mit D (median 325 ml, min 0 – max 1500 ml). Ein deutlicher Unterschied zeigte sich im selbst berichteten Wohlbefinden der Patientinnen (PRO); TG-Ptn. erreichten „sehr gut“ wesentlich schneller, wurden signifikant eher entlassen, allerdings innerhalb der mittleren Verweildauer.

Schlussfolgerung:

Der Gewebekleber Tissuglu® kann alternativ zur Drainierung in der ablativen Mammachirurgie verwendet werden. Präliminare Daten zeigen eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber SWC, eine Verbesserung des PRO und eine Verminderung der stationären Verweildauer. Eine primär multizentrisch-prospektiv in Deutschland durchgeführte Studie wurde nunmehr als internationale Studie initiiert.