Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602538
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychoonkologische Beratung von Frauen mit einem familiären Risiko für Brust- und Eierstockkrebs

K Rhiem
1  Universitätsklinikum Köln, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Köln, Deutschland
,
J Lorenz
1  Universitätsklinikum Köln, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Köln, Deutschland
,
R Schmutzler
1  Universitätsklinikum Köln, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Köln, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Einleitung:

Frauen mit einer Mutation in den Genen BRCA1/2 tragen ein erhöhtes Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Vor ihnen liegt die schwerwiegende Entscheidung bezüglich präventiver Maßnahmen bis hin zu risikoreduzierenden Operationen. Zur psychoonkologischen Begleitung von Frauen im Verlauf der genetischen Testung und während der präferenzsensitiven Entscheidungsfindung wurden am Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs zwei Studien durchgeführt.

Kollektiv und Methode:

In den Studien (MoreRisk und Syskon, Förderung BMG und BMBF) wurde insgesamt 247 erkrankten und gesunden BRCA1/2 Mutationträgerinnen unterstützende psychoonkologische Beratung vor dem Gentest und bezüglich der Inanspruchnahme präventiver Optionen nach Gentest angeboten. Anschließend konnten die Patientinnen die Qualität der Beratung bewerten und angeben, in wie fern sie die psychoonkologische Beratung anderen Betroffenen empfehlen würden.

Ergebnisse:

Insgesamt 38,5% der Studienteilnehmerinnen nahmen an der psychoonkologischen Beratung teil. Die Patientinnen gaben zu 88,7% an, mit der Beratung „sehr zufrieden“ gewesen zu sein. 92,7% bewerteten außerdem die ärztliche Beratung mit „sehr zufriedenstellend“. Auf die Frage, zu welchem Zeitpunkt die Patientinnen eine psychoonkologische Beratung empfehlen würden, antworteten 49% der Befragten „vor dem Gentest“, 75% „nach dem Gentestergebnis“ und 77% vor prophylaktischen Maßnahmen.

Diskussion:

Das psychoonkologische Beratungskonzept wird vom überwiegenden Anteil der beratenen Frauen mit einem familiären Risiko für Brust- und Eierstockkrebs als hilfreiche Unterstützung in den Entscheidungsfindungsprozessen vor und insbesondere nach dem Gentest angesehen. Weitere Forschung soll den Versorgungsbedarf von Frauen mit einem moderat erhöhten Risiko erheben und gezielte strukturierte Interventionen im Gruppen- oder Einzelkontext evaluieren.