Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602470
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mindfulness-based Stress Reduction für Frauen mit Mammakarzinom: Ein systematischer Review und Metaanalyse

H Haller
1  Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Essen, Deutschland
,
P Voiss
2  Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Integrative Onkologie, Essen, Deutschland
,
MM Winkler
3  Robert Bosch Krankenhaus, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Stuttgart, Deutschland
,
P Klose
1  Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Essen, Deutschland
,
G Dobos
1  Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Essen, Deutschland
,
S Kümmel
4  Kliniken Essen-Mitte, Klinik für Senologie/Interdisziplinäres Brustzentrum, Essen, Deutschland
,
H Cramer
1  Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Essen, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Zielsetzung:

Diese Metaanalyse ist ein systematisches Update der Evidenz zu Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) und Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) bei Frauen mit Brustkrebs.

Materialien und Methoden:

In PubMed, Scopus und Central wurde bis einschließlich Oktober 2016 nach randomisiert-kontrollierten Studien gesucht, die die Effektivität von MBSR/MBCT bei Frauen mit Mammakarzinom untersuchen. Primäre Zielkriterien waren Lebensqualität, Fatigue und Schlaf, sekundäre Zielkriterien Stress, Ängstlichkeit, Depressivität und Sicherheit. Es wurden Standardisierte Mittelwertsdifferenzen (SMD) und 95% Konfidenzintervalle (KI) berechnet. Das Risiko für Bias wurde mittels Cochrane Risk of Bias Tool bewertet.

Ergebnisse:

Die Literaturrecherche ergab 15 Artikel von 11 Studien mit 1772 Patientinnen. Das Risiko für Bias war größtenteils unklar, außer für Attrition Bias und andere mögliche Bias, für die ein geringes Risiko angenommen werden kann. Im Vergleich zu Standardbehandlung ergaben sich signifikante Kurzzeiteffekte von MBSR/MBCT bezüglich Lebensqualität (SMD = 0,21; 95% KI = [0,04 | 0,39]), Fatigue (SMD = -0,28; 95% KI = [-0,43 | -0,14]), Schlaf (SMD = -0,23; 95% KI = [-0,40 | -0,05]), Stress (SMD = -0,33; 95% KI = [-0,61 | -0,05]), Ängstlichkeit (SMD = -0,28; 95% KI = [-0,39 | -0,16]), und Depressivität (SMD = -0,34; 95% KI = [-0,46 | -0,21]). Signifikante mittelfristige Effekte konnten für Ängstlichkeit (SMD = -0,28; 95% KI = [-0,47 | -0,09]) und Depressivität (SMD = -0,26; 95% KI = [-0,47 | -0,04]); Langzeiteffekte für Ängstlichkeit (SMD = -0,21; 95% CI = [-0,40 | -0,03]) gefunden werden. Anderen aktiven Interventionen waren MBSR/MBCT lediglich kurzfristig bezüglich Ängstlichkeit (SMD = -0,45; 95% KI = [-0,71 | -0,18]) und Depressivität (SMD = -0,39; 95% KI = [-0,65 | -0,14]) signifikant überlegen. Subgruppenanaysen ergaben keine Unterschiede zwischen MBSR und MBCT, verschiedenen Krankheitsstadien oder Frauen während versus nach adjuvanter Therapie. Die Effekte zeigten sich robust gegenüber möglichen methodischen Verzerrungen. Unerwünschte Ereignisse wurden unzureichend berichtet.

Zusammenfassung:

Die Metaanalyse zeigte Evidenz für die kurzfristige Effektivität und Sicherheit von MBSR/MBCT bei Frauen mit Mammakarzinom. Zur Beurteilung mittel- und langfristiger Effektivität bedarf es weiterer Studien.