Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602452
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Radiologisch okkulte DCIS-Komponenten: eine unterschätzte Situation in der individualisierten Therapie luminaler low risk Karzinome

C Focke
1  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Institut für Klinische Pathologie, Neubrandenburg, Deutschland
,
S Balschat
2  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Neubrandenburg, Deutschland
,
D Gläser
1  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Institut für Klinische Pathologie, Neubrandenburg, Deutschland
,
A Kagelmacher
3  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neubrandenburg, Deutschland
,
K Roterberg
3  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neubrandenburg, Deutschland
,
S Stief
2  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Neubrandenburg, Deutschland
,
B Will
1  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Institut für Klinische Pathologie, Neubrandenburg, Deutschland
,
T Decker
1  Dietrich Bonhoeffer Klinikum, Institut für Klinische Pathologie, Neubrandenburg, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Zielsetzung:

Nodal negative luminale G1 Karzinome ≤20 mm sind Tumoren mit einem tumorspezifischen 10-Jahres-Überleben von > 95%, die keine adjuvante Chemotherapie benötigen. Unter ihnen sind Niedrigrisikotumoren, bei denen auch der Verzicht auf endokrine Therapie und lokale Strahlentherapie zurzeit in Studien kritisch überprüft wird. Trotz der exzellenten Prognose können Lokalrezidive die Lebensqualität und das kosmetische Ergebnis beeinträchtigen. Radiologisch okkulte (nicht-mikrokalktragende) DCIS-Komponenten gelten als Hauptrisikofaktor und sind deshalb eine Herausforderung für eine Brusterhaltende Therapie (BET).

Wir untersuchten Häufigkeit und Größe von bildgebend okkulten DCIS-Komponenten und/oder weiterer invasiver Herde in BET-Präparaten luminaler G1 Karzinome.

Material und Methoden:

Die maximale DCIS-Ausdehnung 89 invasiver luminaler und nodal negativer G1 Karzinome ≤20 mm ohne suspekte Mikroverkalkungen außerhalb des Herdbefundes wurde histologisch nach dem standardisierten Berlin-Buch Protokoll ermittelt. Sämtliche BET-Operationen wurden segmental durchgeführt (76 periareoläre Mastopexien, 9 T-Plastiken, 3 Reduktionsplastiken, 1 B-Plastik), mit finalen histologischen Resektionsrandabständen von ≥10 mm für die DCIS-Komponente.

Ergebnisse:

73 der Karzinome (82%) zeigten eine DCIS-Komponente. In 39 der 89 Fälle (44%) war das DCIS rein intratumoral, in 16 (18%) überragte es den invasiven Tumor > 2 mm und in 18 (20%) war es mindestens doppelt so groß wie das invasive Karzinom. Bei 7 Patientinnen (8%) fand sich ein DCIS ≥40 mm, bei 4 Patientinnen (4%) mindestens ein weiterer okkulter invasiver Herd im Segment.

Zusammenfassung:

In der Gruppe der nodal negativen luminalen G1 Karzinome ≤20 mm liegt die Rate radiologisch okkulter DCIS-Komponenten außerhalb des invasiven Tumors bei 38%. Dies sollte bei der operativen Strategie der BET berücksichtigt werden.