Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2017; 14(02): A1-A53
DOI: 10.1055/s-0037-1602439
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Rolle der Netrin-Familie und ihrer Rezeptoren bei der Persistenz disseminierter Tumorzellen und der ossären Metastasierung des Mammakarzinoms

H Burow
1  Universitätsfrauenklinik, Tübingen, Deutschland
,
CB Walter
1  Universitätsfrauenklinik, Tübingen, Deutschland
,
M Hahn
1  Universitätsfrauenklinik, Tübingen, Deutschland
,
S Brucker
1  Universitätsfrauenklinik, Tübingen, Deutschland
,
G Klein
2  Medizinische Klinik II, ZMF, Tübingen, Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
09 May 2017 (online)

 

Zielsetzung:

Netrine sind extrazelluläre Glykoproteine, die an der Entwicklung von benignem wie auch malignem Gewebe beteiligt sein können. So korreliert bei primären Mammakarzinomen die Überexpression von Netrin-1 mit dem Tumorstadium sowie dem Auftreten von Fernmetastasen, und Netrin-4 stellt einen prognostischen Marker dar. Inwieweit die Petrine und ihre zellulären Rezeptoren bei der Metastasierung der Tumorzellen in das Knochenmark involviert sind, wurde bislang nur unzureichend untersucht.

Materialien und Methoden:

Mittels RT-PCR, Immunfluoreszenzfärbung und Westernblot wurde die Expression der Netrine sowie der Netrinrezeptoren in sechs verschiedenen Mammakarzinomzelllinien (MDA-MB 231, SKBR3, MCF-7, HCC 70, HCC 1500, AR) und verschiedenen Zelllinien der Stammzellnische im Knochenmark getestet. Funktionsanalysen wurden durchgeführt, um den Einfluss der Netrine sowie ihrer Rezeptoren auf Zeltadhäsion und Migration zu bestimmen.

Ergebnisse:

Die Mammakarzinomzelllinien und Zellen der hämatopoetischen Stammzellnische exprimieren Netrin-1 und Netrin-4 und besitzen Netrin-Rezeptoren. Netrin-4 kann wie auch CD146 vorwiegend auf triple-negativen Mammakarzinomzellen nachgewiesen werden.

Bei den Funktionsanalysen zeigt Netrin-1 im Gegensatz zu Netrin-4 initial eine adhäsive Wirkung für alle Zelllinien. Netrin-4 bindet dagegen nur triple-negative Zellen. Diese Adhäsion kann über CD146, einen bislang noch nicht beschriebenen Netrin-4 Rezeptor vermittelt werden. Die Migration der Tumorzellen wird durch beide Petrine negativ beeinflusst und kann zum Verbleiben der Tumorzellen im Knochenmark beitragen.

Zusammenfassung:

Netrine sowie die Netrinrezeptoren werden von Mammakarzinomzellen und Zellen der hämatopoetischen Stammzellnische exprimiert. Der adhäsive Effekt zeigt eine Abhängigkeit vom Tumorsubtyp. So binden nur triple-negative Mammakarzinomzellen an Netrin-4.

Eine genaue Kenntnis über die Beteiligung der Netrine und ihrer Rezeptoren bei der Knochenmetastasierung kann neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen.