Z Gastroenterol 2016; 54 - KV063
DOI: 10.1055/s-0036-1586839

Fallbericht: Darmtuberkulose bei einem 23-Jährigen: Diagnostik und Therapie

H Nietsch 1, G Schinköthe 2
  • 1KH St. Elisabeth und St. Barbara, Med. Klinik 1, Halle, Deutschland
  • 2MVZ Elisabeth Ambulant GmbH Halle/Saale, Halle, Deutschland

Hintergrund: Nach Schätzungen der WHO gibt es jährlich ca. 9 Millionen TB-Neuinfektionen. 20% der Lungentuberkulose-Patienten haben auch extrapulmonale Manifestationen. Oral aufgenommene Tuberkelbazillen werden von den Peyer-Plaques im Darm resorbiert und zu mesenterialen Lymphknoten transportiert und können sich so disseminiert im Bauchraum ausbreiten.

Fallvorstellung: Wir berichten über einen 23-jährigen Afghanen, der sich mit Gewichtsverlust, Fatigue und Unterbauchschmerzen vorstellte. Im Ultraschall und CT imponierten eine massiv verdickte Darmwand des C. ascendens und des terminalen Ileums, abdominelle Lymphadenopathie, sowie reichlich lymphozytärer Aszites mit einem Eiweißgehalt von 59.4 g/l. Eine Röntgen-Thorax-Aufnahme war unauffällig. Am 2. stationären Tag erfolgte die vollständige Coloskopie. Die Mukosa des C. ascendens war übersät mit multiplen tiefen Ulzerationen (ähnliche Veränderungen wie bei M. Crohn). Histologisch bestätigte sich eine floride ulzerierende Colitis mit epitheloidzelliger Granulomatose. Säurefeste Stäbchen konnten in der Ziehl-Neelsen-Färbung nicht nachgewiesen werden. Ergänzende Untersuchungen: Ein veranlasster Quantiferontest war mit 2.06 IE/ml hoch positiv. Eine Anzüchtung der Tuberkelbazillen aus dem Präparat gelang nicht.

Therapie/Verlauf: Am 3. Tag wurde bereits mit einer Quadrupeltherapie, bestehend aus Rifampicin, INH, Pyrazinamid und Ethambutol, begonnen. Nach 2 Monaten konnte die Therapie geplant de-eskaliert und mit INH und Rifampicin für weitere 7 Monate fortgeführt werden. Eine Kontroll-Coloskopie zum Therapieende zeigte eine Restitutio ad integrum.

Schlussfolgerung: Die Tuberkulosebeteiligung des Darmes ist in Deutschland selten geworden, stellt jedoch eine wichtige Differentialdiagnose bei Verdacht auf M. Crohn dar, da die makroskopischen und mikroskopischen Veränderungen sehr ähnlich sind.

Bedingt durch die Krisenmigration erwarten wir hierzulade in Zukunft eine Inzidenzzunahme auch der extra-pulmonalen Tuberkulosefälle. Bei unklaren abdominellen Symptomen, lymphozytärem Ascites und obigen Schleimhautveränderungen sollte die Tuberkuloseinfektion immer in der Differentialdiagnose mit bedacht werden!