Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - P34
DOI: 10.1055/s-0036-1583807

Das Massive Fetomaternale Transfusionssyndrom: Vier Fälle im Fokus

JT Maier 1, E Schalinski 1, L Hellmeyer 1
  • 1Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin, Deutschland

Zielsetzung:

Das fetomaternale Transfusionssyndrom ist eine seltene Schwangerschaftskomplikation, die durch den Übergang von Blut zwischen Mutter und Kind gekennzeichnet ist. Wenn große Volumina zwischen Fetus und Mutter ausgetauscht werden, führt das zur hämodynamischen Instabilität des Ungeborenen und im Verlauf möglicherweise zum Abort oder intrauterinem Fruchttod.

Methoden und Patienten/Materialien:

Innerhalb von 12 Monaten hat unsere Klinik vier Fälle von massivem fetomaternalen Transfusionssyndrom betreut. Alle vier Patientinnen haben sich mit abnehmenden Kindsbewegungen vorgestellt. Das CTG war in allen Fällen pathologisch (deutlich eingeschränkt, variable Dezelerationen, sinusoidales CTG Muster). Nur bei einer Patientin wurde eine fetale Anämie präpartal vermutet. Es erfolgte bei allen vier Schwangeren die zügige Entbindung per Sectio. Die Neugeborenen wiesen jeweils einen extrem niedrigen initialen Hb Wert auf (1,8, 3,0 und zweimal 3,8 g/dl). Es erfolgte die unmittelbare postpartale Transfusion und intensivmedizinische Betreuung.

Resultate:

Bei Verdacht auf ein fetomaternales Transfusionssyndrom ist eine erhöhte Flussgeschwindigkeit in der A. cerebri media wegweisend für die fetale Anämie. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von fetalen Erythrozyten im mütterlichen Blut. Die Therapieentscheidung fällt je nach Schwangerschaftswoche und Schwere der Anämie: Entbindung oder Schwangerschaftsverlängerung nach Lungenreife und ggf. intrauteriner Transfusion.

Diskussion:

Mit diesen Fallschilderungen wollen wir diese seltene, jedoch sehr ernsthafte Schwangerschaftskomplikation in das Bewusstsein rücken. Bei abnehmenden Kindsbewegungen und suspektem CTG sollte der Schwangeren besondere Aufmerksamkeit zuteil werden.