Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - P30
DOI: 10.1055/s-0036-1583803

Management einer akuten peripartalen kardialen Dekompensation in Koinzidenz mit einem SD Karzinom sowie Autoimmunthyreoiditis bei einer jungen Schwangeren

E Langer 1, I Kühnert 2, A Hagendorff 3, H Stepan 1
  • 1Universitätsklinikum Leipzig, Abteilung für Geburtsmedizin, Leipzig, Germany
  • 2Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Germany
  • 3Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Germany

Zielsetzung:

Die Rate an kardial vorbelasteten Frauen, die schwanger werden, ist stetig zunehmend. In Abhängigkeit von der Schwere besteht die Gefahr einer kardialen Dkompensation peripartal. Darüber hinaus gibt es das Krankheitsbild der Peripartalen Kardiomyopathie (PPCM), die klinisch als dilatative Kardiomyopathie imponiert. Die Koinzidenz mit einer Autoimmunerkrankung z.B. endokrinen Neoplasien (MEN) wird diskutiert.

Kasuistik:

Wir berichten über eine 24-jährige schwangere Patientin mit dilatativer Kardiomyopathie (DCM, NYHA IV) und Mitralklappeninsuffizienz (Grad III), die sich in der 28 + 3 SSW fulminant verschlechterte (LVEF 20%). Es bestand eine kardiale Vorerkrankung (kombiniertes Aortenvitium mit leichtgradiger Aortenstenose bei angeborener bikuspidaler Klappe). Es wurde aufgrund der sich verschlechternden mütterlichen per Re-Sectio (mit Tubensterilisation) ein Mädchen (Apgar 6/8/8, 1120 g, pH 7,23) entwickelt. Direkt nach der Kindsentwicklung kam es intra partum zu Kammerflimmern mit nachfolgender Asystolie. Die Patientin konnte intra operationem im kardiogenen Schock erfolgreich reanimiert werden. Drei Monate postpartal wurde als Zufallsbefund eine Raumforderung der Schilddrüse festgestellt. Es lag ein papilläres Schilddrüsenkarzinom vor. Im Anschluss wurde eine totale Thyreoidektomie mit anschließender Neck-dissection sowie orale Radiojodtherapie (Jod131oral) durchgeführt.

Schlussfolgerung:

Kardiologische Erkrankungen in der Schwangerschaft erfordern eine maximale interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Anästhesiologie, Kardiologie und Geburtshilfe. Herzkranke Frauen sollen präkonzeptionell eine interdisziplinäre Beratung erhalten. Die PPCM ist selten und wird oft nicht als solche erkannt. Als Pathophysiologie werden immunologische, endokrine und virale Mechanismen diskutiert. Die Prognose ist schlecht und die Therapie erfolgt symptomatisch entsprechend einer dilatativen Kardiomyopathie.