Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - P21
DOI: 10.1055/s-0036-1583794

Schwangerschaft nach bariatrischer Operation – was wir dringend wissen sollten!

F Weschenfelder 1, E Bärthel 2, E Schleußner 1, H Kißler 2, S Schüle 2, T Groten 1
  • 1Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Abteilung Geburtshilfe
  • 2Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Jena, Germany

Zielsetzung: In den kommenden Jahren wird es immer mehr Patientinnen geben, die sich nach bariatrischer Chirurgie mit Kinderwunsch oder bereits eingetretener Schwangerschaft an uns Frauenärzte wenden. Wir sollten die Besonderheiten verstehen und Risiken rechtzeitig erkennen um die werdenden Mütter und deren Ungeborene zu schützen.

Methoden: Falldarstellung.

Resultate: 37-jährigen Patientin mit erfolgter Roux-Y-Gastric-Bypass Operation 2012. Im Anschluss Gewichtsabnahme von 50 kg. Spontaner Schwangerschaftseintritt 2015. Bei ausreichend substituierten Spurenelementen und Folsäure zunächst unauffälliger Schwangerschaftsverlauf. Ab der 32. SSW mehrfach stationäre Behandlung bei abdominellen Beschwerden mit massiven Meteorismus, Übelkeit und Erbrechen. Ultrasonographisch zeigen sich Darmschlingenerweiterungen bis 8 cm. Unter Gabe von MCP und Pantoprazol kam es zur Beschwerdebesserung und Entlassung in die ambulante Betreuung unter Fortsetzung der Pantoprazoltherapie. In der 39 SSW kam es zur Spontangeburt eines gesunden Sohnes von 2800 g (< 10 Perzentile) und 49 cm (< 3. Perzentile). Nach zunächst unauffälligem Wochenbettsverlauf entwickelte die Patientin im häuslichen Umfeld ein akutes Abdomen mit Bluterbrechen. Unter dem V.a. eine Hohlorganperforation erfolgte die Laparotomie, in der sich eine Perforation im Bereich der Gastroenterostomie im Sinne eines Ulcus pepticum jejuni sowie eine hochgradige Stenose im Bereich der Fußpunktanastomose zeigte.

Diskussion: Im Falle der o.g. Patientin zeigen sich die spezifischen Besonderheiten, auf die in einer solchen Schwangerschaft zu achten ist. Neben der Beobachtung auf chirurgische Komplikationen (ca. 5%) seitens der Mutter (Invaginationen, Verwachsungen, stressinduzierte Ulzera) müssen fetale Wachstumskontrollen erfolgen um eine Malnutrition des Kindes, verursacht durch die veränderte Nährstoffaufnahme nach bariatrischem Eingriff, nicht zu übersehen.