Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - P14
DOI: 10.1055/s-0036-1583787

Schwangerschaft und Geburt bei uteriner arteriovenöser Malformation: ein Fallbericht

J Welz 1, B Strizek 1, A Hellmund 1, U Gembruch 1, W Merz 1
  • 1Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin, Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Hintergrund:

Die arteriovenöse Malformation (AVM) des Uterus ist eine seltene Fehlbildung der uterinen Gefäße; anämisierende Hypermenorrhoen sind Leitsymptom. Bei jungen Frauen mit Kinderwunsch besteht die Therapie in der selektiven Embolisation. Wir berichten über eine 35-jährige Patientin mit uteriner AVM, die dreimal von uns entbunden wurde.

Fallbericht:

Bei Kinderwunsch und anämisierenden Blutungen waren 2008 dreimal selektive Embolisationen der die Uterusvorder- und linke Seitenwand einnehmenden AVM durchgeführt worden. 2009 wurde die Patientin in 28+0 SSW bei weiterhin bestehenden uterinen AVM aufgrund einer schweren Präeklampsie per Sectio entbunden (Knabe, 931 g (24. Perzentile), Apgar 8/9/9, pH. 7,38); der intraoperative Blutverlust betrug ca. 2000 ml, es lag eine Plazenta praevia accreta vor. 2012 erfolgte bei fetaler Hypoxämie mit Zentralisation die elektive Re-Sectio mit 29+6 SSW (Mädchen, 1200 g (33. Perzentile), Apgar 9/10/10, kein pH möglich); der intraoperative Blutverlust betrug ca. 2000 ml. Die dritte Schwangerschaft trat 2015 ein, nun mit einer Plazenta praevia totalis et increta. Präoperativ wurde ein multimodales Therapiekonzept erstellt. Rezidivierende vaginale Blutungen erforderten die Entbindung in 33+6 SSW (Knabe, 2360 g (55. Perzentile), Apgar 8/9/9, pH 7,33). Die Re-Re-Sectio und bilaterale Tubenligatur wurden mittels medianer Laparotomie und korporalem Längsschnitt durchgeführt. Intraoperativ zeigten sich faustgroße AVM der linken Vorderwand, weit nach links parametran reichend. Die Plazenta konnte makroskopisch komplett entfernt werden, eine Bakri-Katheter-Einlage führte zur Hämostase. Der Blutverlust betrug ca. 2500 ml.

Zusammenfassung:

Uterine AVM können während einer operativen Entbindung zu sehr hohem Blutverlust führen. Bei frühzeitiger Anbindung an ein geburtshilfliches Zentrum, engmaschiger Betreuung während der Gravidität und interdisziplinärer perioperativer Planung können schwerwiegende Blutungskomplikationen vermieden werden.