Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - P09
DOI: 10.1055/s-0036-1583782

Schwangerschaftsverläufe bei Parkinson-Erkrankung unter hochdosierter Dopaminagonisten-Therapie und Tiefenhirnstimulation

F Vogeler 1, W Duwe 2, F Ruhland 1, 2
  • 1gSUND Gynäkologie Kompetenzzentrum Stralsund
  • 2Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Hanseklinikum Stralsund

Zielsetzung:

Die Datenlage zur Parkinson-Erkrankung in der Schwangerschaft ist limitiert (international weniger als 50 Fälle). Es soll ein Überblick über die derzeitigen Kenntnisse hinsichtlich Therapie und Verlauf gegeben werden.

Methoden:

Fallbericht, systematische Literaturrecherche.

Resultate:

Fallbericht:

2007 wurde bei der damals 27-jährigen IIIG/IIIP die Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndroms vom Äquivalenztyp gestellt. Bei rascher Progredienz erfolgte 2011 die Tiefenhirnstimulation des Nucleus subthalmicus. Unter der Anti-Parkinson-Kombinationstherapie mit Rasagilin 1 mg/retardiertem Ropinirol 24 mg/retardiertem Levodopa 100 mg kam es 2013 zur spontanen Konzeption. Nach Späterfassung der Gravidität in der 22. SSW ergab die weiterführende Sonografie gemäß DEGUM Stufe II keine fetalen Auffälligkeiten. Aufgrund der Schwangerschaft erfolgte durch den niedergelassenen Neurologen die Umstellung auf Levodopa/Benserazid mit Reduktion auf 16 mg Ropinirol. Hiernach war eine Zunahme der Wirkfluktuationen, nächtlicher Hypokinese und unsicheres, kleinschrittiges Gangbild zu verzeichnen. Unter stationärer, sukzessiver Umstellung auf die Ausgangsmedikation konnte eine Besserung der Gesamtsituation mit ausgeglichener Beweglichkeit erzielt werden. Nach vorzeitigem Blasensprung in der 32+2 SSW kam es zum Spontanpartus eines Jungen.

Unter der Kombinationstherapie wurde die Patientin 2014 erneut schwanger. In dieser Folgeschwangerschaft wurde die Medikation nicht umgestellt, es trat keine Verschlechterung der klinischen Symptomatik ein. In der 38 SSW erneuter Spontanpartus eines term-eutrophen Neugeborenen. Äußere Missbildung oder organische Fehlbildungen bestanden bei beiden Kindern nicht.

Literaturrecherche:

Tabellarisch wird die Datenlage zur Anti-Parkinson-Therapie in der Schwangerschaft dargestellt.

Diskussion:

Eine teratogene Wirkung der hochdosierten Dopaminagonisten-Therapie wird in dieser Kasuistik nicht dokumentiert. Aus neurologischer Sicht war die Umstellung der Anti-Parkinson-Therapie in der ersten Schwangerschaft mit einer das Kind gefährdenden maternalen motorischen Verschlechterung unangebracht. Unter einer Medikation mit ausgeglichener Beweglichkeit kann der Spontanpartus trotz Parkinson-Erkrankung angestrebt werden.