Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - P08
DOI: 10.1055/s-0036-1583781

Perinatales Outcome nach Hantavirus-Infektion

F Vogeler 1, W Duwe 2, F Ruhland 1, 2
  • 1gSUND Gynäkologie Kompetenzzentrum Stralsund
  • 2Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Hanseklinikum Stralsund

Zielsetzung:

Die Hantavirus-Infektion stellte eine Zoonose mit zunehmender klinischer Bedeutung (2012 neuer Höchststand mit 2.824 Fällen) in Deutschland dar. Aufgrund der limitierten Datenlage zum Verlauf in der Schwangerschaft soll ein Überblick über die derzeitigen Kenntnisse hinsichtlich klinischer Manifestation, Therapie, Expositionsprophylaxe sowie plazentare Transmission und fetales Outcome gegeben werden.

Methoden:

Fallbericht, systematische Literaturrecherche.

Resultate:

Fallbericht:

Eine 36-jährige II. G/I. P wird in der 29. SSW unter dem V.a. Präeklampsie (elevierte Retentionswerte, Proteinurie, Thrombozytopenie) eingewiesen. Zusätzlich bestanden febrile Temperaturen und eine Mikrohämaturie. Nach Abwägen entschied man sich gegen eine Schwangerschaftsbeendigung mit konsekutivem Partus praematurus und für die weitere Diagnostik. Anamnestisch ließ sich eine Exposition zu Mäusen eruieren. Die nachfolgende Serologie bestätigte eine akute Dobrava-Belgrad-Virus-Infektion. Unter der symptomatischen Therapie normalisierten sich die Nierenwerte. Bei maternalem Wohlbefinden sowie unauffälligen fetalen Verlaufskontrollen (CTG/Biometrie/Dopplerwerte) erfolgte die Entlassung am 7. Tag. In der 40. SSW kam es zum Spontanpartus eines term eutrophen gesunden männlichen Neugeboren. Klinisch ergab sich kein Hinweis auf eine vertikale Transmission. Paraklinisch wurde im Nabelschnurblut ein erhöhter IgM-Titer für das Virus nachgewiesen als auch ein dezent erniedrigter Hb-Wert beim Kind.

Literaturrecherche:

Tabellarisch wird die Datenlage über das perinatale Outcome nach maternaler Hantavirus-Infektion dargestellt sowie eine Zusammenfassung zur Pathogenese, Diagnostik, Management und Prophylaxe der Erkrankung.

Diskussion:

Die Ergebnisse dieser Kasuistik bestärken eine mögliche transplazentare Infektion. Aus der Datenlage ergeben sich Hinweise, dass die Transmission eine fetale Anämie verursachen könnte. Darüberhinaus wurden keine Fetopathien oder letale Verläufe beschrieben.

Hinsichtlich des pränatalen Managements nach maternaler Hantavirusinfektion, erscheint eine Ergänzung um serielle Doppler-sonografische Messungen der A. cerebri media, zur Detektion eines möglichen anämischen Feten sinnvoll. Aufgrund der geringen Fallzahlen bleibt dies jedoch bis dato rein spekulativ.