Gesundheitswesen 2017; 79(12): 1024-1030
DOI: 10.1055/s-0035-1564266
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Rolle psychologischer und technikbezogener Persönlichkeitsmerkmale sowie individueller Wissensbestände von Ärztinnen und Ärzten für die Adoption des Telemonitorings in der medizinischen Versorgung

The Role of Psychological and Technology-related Personality Traits and Knowledge Levels as Factors Influencing Adoption of Telemonitoring by Medical Professionals
C. Dockweiler
1  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
,
C. Hornberg
1  Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
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Publication Date:
09 November 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Informations- und Kommunikationstechnologien gewinnen im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Leistungen des Telemonitorings zeigen im Rahmen randomisierter klinischer Studien erste medizinische Evidenz mit Blick auf die Steigerung der Versorgungsqualität, die Verringerung stationärer Aufenthalte und die Reduzierung von Behandlungskosten. Für die Erschließung der angedeuteten Potenziale und die langfristige Implementation in die Versorgungspraxis ist eine nutzerinnen- und nutzerorientierte Technikentwicklung unter Berücksichtigung häufig komplexer Strukturen der Technikakzeptanz erforderlich.

Methden: Einstellungen und Haltungen sowie die vorliegenden Wissensbestände zum Telemonitoring vonseiten klinisch tätiger Ärztinnen und Ärzte (Zufallsstichprobe, N=614) wurden im Rahmen einer online-basierten Erhebung mit einer Rücklaufquote von 21% (n=133) ermittelt. Zur Analyse der Herausbildung positiver Haltungsmuster gegenüber Telemonitoringanwendungen wurden Wirkungszusammenhänge zwischen psychologischen und technikbezogenen Persönlichkeitsmerkmalen sowie den wahrgenommenen Wissensbeständen ermittelt.

Ergebnisse: Positive Einstellungsmuster gegenüber dem Telemonitoring werden maßgeblich durch das individuelle Wissen und die Verträglichkeit (als Persönlichkeitsmerkmal, welches stark durch altruistische Züge und zwischenmenschliches Vertrauen geprägt ist) eines Individuums beeinflusst. Die Einstellungen zum Telemonitoring sind mit dem Ziel einer qualitativen Verbesserung der Versorgungssituation klar nutzwertorientiert und unterscheiden sich nach Versorgungssektor und Geschlecht. Insgesamt fühlen sich nur 57% der befragten Ärztinnen und Ärzte ausreichend über den Einsatz des Telemonitorings informiert.

Schlussfolgerung: Vor dem Hintergrund der Nutzwertorientierung im Rahmen der Einstellungsbildung kommt der evidenzbasierten Entwicklung der Telemedizin eine besondere Bedeutung für eine gelingende Adoption zu. Hierfür bedarf es zukünftig deutlicherer Bemühungen im Wissenstransfer, im Austausch von Best-Practice-Lösungen und der Verankerung der Telemedizin in Aus- und Fortbildung.

Abstract

Objectives: Information and communication technologies are becoming increasingly important in health care. Randomized clinical trials have shown that telemonitoring in particular leads to improved quality of care as well as shortened hospital stays and reduced health care costs. For its long-term anchoring in medical care, user-oriented technology needs to be developed, taking into account the complex structures of technology acceptance

Methods: Knowledge of and attitudes towards telemonitoring amongst medical professionals were investigated using an online-based approach with a random sample of n=614; the response rate was 21% (n=133). The emergence of positive attitude patterns towards telemonitoring was analyzed using the relationships between psychological and technology-related personality traits, and perceived knowledge was determined using a regression model.

Results: Positive attitudes towards telemonitoring are significantly influenced by the individual’s knowledge and agreeableness, which is strongly characterized by altruistic traits and interpersonal trust. There is a strong association with an improvement in the quality of care, while there are differences in attitudes towards telemonitoring between health care sectors and gender. Overall, only 57% of the physicians surveyed feel sufficiently informed about the use of telemonitoring.

Conclusion: Medical evidence is crucial for the further development of telemedicine in general and telemonitoring in particular. Improvements need to be made in knowledge transfer, the exchange of best practice solutions and the anchoring of telemedicine in education and training.