Gesundheitswesen 2015; 77(10): 793-798
DOI: 10.1055/s-0035-1564148
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss der nonverbalen Intelligenz und des Migrationshintergrundes auf die sprachlichen Fähigkeiten

Influence of Nonverbal Intelligence and Migration Background on Language Abilities
J. Melzer
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR), Universität Bremen, Bremen
,
J.-K. Rißling
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR), Universität Bremen, Bremen
,
F. Petermann
2  University of Bremen, ZKPR, Bremen
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Publication History

Publication Date:
29 October 2015 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Mit der vorliegenden Studie wird belegt, welche Bedeutung die nonverbale Intelligenz für die sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes besitzt.

Methodik: N=414 Kinder im Alter zwischen 4 und 5 Jahren wurden bezüglich ihrer lexikalisch-grammatikalischen Fähigkeiten und im Bereich Emotionserkennung und Empathievermögen als Basiskompetenzen der Pragmatik überprüft; zudem wurde die nonverbale Intelligenz erhoben. Anhand von Korrelations- und Regressionsanalysen wurde ermittelt, ob der nonverbale IQ zur Varianzauferklärung in den einzelnen Sprachbereichen beiträgt. Dabei wurden zusätzlich das mütterliche Bildungsniveau und der Migrationshintergrund berücksichtigt.

Ergebnisse: Es zeigt sich, dass die nonverbale Intelligenz zur Varianzaufklärung in allen 3 Sprachbereichen beträgt, insgesamt aber als gering einzuschätzen ist. Ein verhältnismäßig hoher Anteil der Varianz für die lexikalisch-grammatikalischen Fähigkeiten kann durch den Migrationshintergrund erklärt werden, wobei besonders die Kontaktzeit zur deutschen Sprache entscheidend ist.

Schlussfolgerung: Die Modelle zur Vorhersage der lexikalisch-grammatikalischen Fähigkeiten weisen auf die Bedeutsamkeit der nonverbalen Intelligenz und des Migrationshintergrundes im Zusammenhang mit der Kontaktzeit zum Deutschen hin. Im Bereich der Emotionserkennung und des Empathievermögens scheint der Migrationshintergrund keinen Einfluss zu besitzen. Von den untersuchten Merkmalen ist lediglich die nonverbale Intelligenz von Bedeutung.

Abstract

Aim of the study: The aim of this study was to investigate the importance of nonverbal intelligence for child language skills.

Methods: 414 children aged between 4 and 5 years were examined regarding their lexical-grammatical skills, their emotion recognition and empathic skill as a basic competence of their pragmatic as well as nonverbal intelligence. Correlations and regression analyses were performed to determine whether the nonverbal IQ contributes to variance explanation in each language area. Additionally, maternal educational level and the migration background were taken into account.

Results: Nonverbal intelligence contributed to variance explanation, but to a low degree. A relatively high proportion of variance for the lexical-grammatical skills could be explained by the migration background; contact time with the German language played an essential role here.

Conclusions: The models for lexical-grammatical skills prediction indicate the importance of migration background in relation to the contact time with the German language and nonverbal intelligence. The migration background does not seem to influence emotion recognition competence and empathic skills; nonverbal intelligence represents the only relevant factor.