Gesundheitswesen 2015; 77(10): 820-826
DOI: 10.1055/s-0035-1564082
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zum Zusammenhang von allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und schulischer Leistung: Welche Rolle spielt das Lernverhalten?

Relationship Between General Cognitive Abilities and School Achievement: The Mediation Role of Learning Behavior
H. M. Weber
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
,
S. Rücker
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
2  Projekt PETRA GmbH & Co. KG, Schlüchtern
,
P. Büttner
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
2  Projekt PETRA GmbH & Co. KG, Schlüchtern
,
F. Petermann
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
,
M. Daseking
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
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Publication History

Publication Date:
29 October 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Bis heute gelten die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten als wichtigster Prädiktor für schulische Leistung und Erfolg. Ob der hohe Zusammenhang (r=0,50) durch andere Variablen erklärt werden kann, wurde in der Regel nicht untersucht. Als eine mögliche Variable, die den Zusammenhang beeinflussen könnte, wird das Lernverhalten der Schüler diskutiert.

Methodik: Die Studie hat den Zusammenhang zwischen allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, Schulleistungen und Lernverhalten untersucht. Mediatoranalysen wurden durchgeführt, um zu überprüfen, ob das Lernverhalten den Zusammenhang zwischen den allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und den Schulnoten in den Fächern Mathematik und Deutsch mediiert.

Ergebnisse: Die Analysen bestätigen, dass der Zusammenhang zwischen den allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und den Schulleistungen im Fach Deutsch vollständig über das Lernverhalten mediiert wird. Für die Mathematikleistungen erwies sich der Gesamt-IQ als alleiniger Prädiktor. Diese Ergebnisse konnten auch über nonparametrische Bootstrapping-Verfahren bestätigt werden.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schulleistungen bei Jugendlichen mit einem niedrigen IQ über ein Motivationstraining, das speziell an das Lernverhalten angepasst ist, verbessert werden können.

Abstract

Background: General cognitive abilities are still considered as the most important predictor of school achievement and success. Whether the high correlation (r=0.50) can be explained by other variables has not yet been studied. Learning behavior can be discussed as one factor that influences the relationship between general cognitive abilities and school achievement.

Methods: This study examined the relationship between intelligence, school achievement and learning behavior. Mediator analyses were conducted to check whether learning behavior would mediate the relationship between general cognitive abilities and school grades in mathematics and German.

Results: Statistical analyses confirmed that the relationship between general cognitive abilities and school achievement was fully mediated by learning behavior for German, whereas intelligence seemed to be the only predictor for achievement in mathematics. These results could be confirmed by non-parametric bootstrapping procedures.

Conclusion: Results indicate that special training of learning behavior may have a positive impact on school success, even for children and adolescents with low IQ.