Gesundheitswesen 2017; 79(12): 1067-1072
DOI: 10.1055/s-0035-1559707
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zusammenhang von Auslandseinsätzen und Tabakabhängigkeit bei Soldaten

Association of Deployment and Tobacco Dependence among Soldiers
U. Wesemann
1  Bundeswehrkrankenhaus, Berlin
,
R. Schura
2  Sanitätsversorgungszentrum, Mittenwald
,
J. T. Kowalski
3  Streitkräfteamt, Bonn
,
S. Kropp
4  AsklepiosFachklinikum, Teupitz und Lübben, Teupitz
,
H. Danker-Hopfe
5  Charité, Berlin
,
H. Rau
1  Bundeswehrkrankenhaus, Berlin
,
A. Ströhle
5  Charité, Berlin
,
J. Thiele
1  Bundeswehrkrankenhaus, Berlin
,
P. L. Zimmermann
1  Bundeswehrkrankenhaus, Berlin
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Publication History

Publication Date:
22 October 2015 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Rauchen ist ein hoher vermeidbarer Risikofaktor. Diese Studie untersucht, ob militärische Auslandseinsätze, im Vergleich zur Einsatzvorbereitung, das Risiko mit dem Rauchen zu beginnen erhöhen, die Tabakabhängigkeit steigern und ob sich Moderatorvariablen zum Rauchverhalten identifizieren lassen.

Methodik: Die Studie wurde an 2 Panzergrenadierbataillonen mit N=264 Soldaten durchgeführt. Die Einsatzgruppe absolvierte einen Auslandseinsatz in Afghanistan, die Vergleichsgruppe nahm währenddessen an einer Einsatzvorbereitung teil. Zu 3 Messzeitpunkten wurden Tabakabhängigkeit, posttraumatische Symptome, Depression und Stress gemessen. Die erste Datenerhebung erfolgte vor und die dritte Erhebung nach dem Auslandseinsatz bzw. der Einsatzvorbereitung. Die Messung zum zweiten Messzeitpunkt erfolgte während des Auslandseinsatzes bzw. der Einsatzvorbereitung.

Ergebnisse: Die Prävalenzrate der rauchenden Soldaten betrug 56,4%. 51,1% (n=135) aller untersuchten Soldaten rauchten mehr als 20 Zigaretten pro Tag. Für die Einsatzgruppe zeigte sich im Vergleich zur Vergleichsgruppe ein signifikanter Anstieg der mittels Fagerström-Test erfassten Tabakabhängigkeit vom ersten zum dritten Messzeitpunkt (p=0,040). In beiden Gruppen gab es während des Untersuchungszeitraums keine erhöhte Anzahl von Soldaten, die mit dem Rauchen begannen (χ²<1; n. s.). Moderatorvariablen auf das Rauchen wurden nicht gefunden, aber es gab einen signifikanten Anstieg in den posttraumatischen Belastungssymptomen bei der Einsatzgruppe (p=0,006).

Schlussfolgerung: Eventuell lässt sich der Anstieg der Tabakabhängigkeit für die Einsatzgruppe auf die spezifischen Belastungen des Einsatzes zurückführen. Wenn sich die hohen Raucherquoten auch in anderen Truppengattungen zeigen, sollten vermehrt Entwöhnungsprogramme angeboten werden.

Abstract

Objective: Smoking is a highly preventable risk factor. The present study investigates whether military operations abroad, as compared to deployment preparation, increase the risk of starting to smoke, enhance tobacco dependence and moderator variables can be identified on smoking behavior.

Method: The study was conducted at 2 mechanized infantry battalions with N=264 soldiers. The task force completed a deployment in Afghanistan, the control group performed a deployment training. Assessments of tobacco dependence, posttraumatic symptoms, depression and stress were done before (t1) and after (t3) deployment. In addition, one assessment was done at mid-point (t2) during deployment and during the pre-deployment training, respectively.

Results: The prevalence rate of smoking soldiers was 56,4%. 51,1% (n=135) of all examined soldiers smoked more than 20 cigarettes per day. The results show a significant increase of tobacco dependence in the task force from t1 to t3 (p=0,040) as compared to the control group. For both groups, there was no increase in starting to smoke during the period of investigation (χ²<1; n. s.). Moderator variables on smoking were not found, but there was a significant increase in posttraumatic stress symptoms in the deployed group (p=0,006).

Conclusions: Perhaps the increase in tobacco dependence in the experimental group can be attributed to the specific burdens of deployment. If high smoking rates were to be found also in other branches of the armed services, effective smoking cessation programs should be offered more widely.