Gesundh ökon Qual manag 2015; 20(05): 226-230
DOI: 10.1055/s-0035-1553903
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schmerzmitteltherapie am Lebensende: Welche Wirkstoffe werden verschrieben?

Analgesics at the End of Life: Which Active Ingredients will be Prescribed?
F. Kreimendahl
1  Institut für Empirische Gesundheitsökonomie, Burscheid
,
A. Spyra
1  Institut für Empirische Gesundheitsökonomie, Burscheid
,
J. Gibbert
1  Institut für Empirische Gesundheitsökonomie, Burscheid
,
B. Huenges
2  Abteilung für Allgemeinmedizin, Ruhr-Universität Bochum
,
S. Engels
3  Bonn Medical Partners
,
R. Rychlik
1  Institut für Empirische Gesundheitsökonomie, Burscheid
,
H. Rusche
2  Abteilung für Allgemeinmedizin, Ruhr-Universität Bochum
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Publication History

Publication Date:
05 November 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Vor dem Hintergrund einer alternden deutschen Gesellschaft geraten die Frage der Multimedikation im Bereich der Schmerzmitteltherapie im Alter und die daraus resultierenden Kosten vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Evaluation der Inanspruchnahme von Analgetika und der daraus resultierenden Kosten in den letzten drei Lebensjahren auf der Basis von Krankenkassendaten.

Methoden: In einer retrospektiven Sekundärdatenanalyse von 2312 gesetzlich Versicherten (DAK), die im Jahr 2012 auf natürlichem Weg oder krankheitsbedingt verstorben sind, wurden die direkten medizinischen Kosten der letzten drei Lebensjahre ermittelt. Berücksichtigung fand dabei im Speziellen die Schmerzmitteltherapie am Lebensende, insbesondere die verschriebenen Wirkstoffe nach WHO-Stufenschema.

Ergebnisse: Die durchschnittliche Anzahl verschriebener Schmerzmittel stieg vom drittletzten zum letzten Lebensjahr von 1,4 auf 5,2 an, was einer Erhöhung von 358 % entspricht. Von allen verschriebenen Wirkstoffen wurde Metamizol (WHO-Stufe I) mit Abstand am häufigsten verschrieben. Der Anteil an starken Opioiden (WHO-Stufe III) erhöht sich vom drittletzten zum letzten Lebensjahr um 50 %.

Fazit: Es lässt sich ein sehr starker Anstieg an Schmerzmittelverordnungen in den letzten drei Lebensjahren vor dem Tod feststellen. Bei absehbarem Lebensende sollte eine wirksame und möglichst nebenwirkungsfreie Schmerztherapie gewährleistet werden, da es sich i. d. R. um schwache, ältere Patienten mit Multimedikation handelt. Die Daten zeigen auch, dass Kosten für Arzneimittel mit 12,6 % lediglich den drittgrößten Kostenblock im letzten Lebensjahr ausmachen (nach stationären Behandlungskosten und Pflegekosten).

Abstract

Background: Germany is developing towards an aging society where more people reach higher ages and live longer. Therapeutic regimen for analgesics and multimedication becomes increasingly important. Aim of this paper is to evaluate the use of analgesics and the resulting costs in the last three years of life.

Methods: Data were provided by a statutory health insurance in Germany (DAK), costs and resource use of a total of n = 2312 patients who died of natural causes in 2012 were examined. Analgesics were divided into three groups based on the WHO Analgesics Scheme.

Results: The average number of prescribed analgesics increased from 1.4 three years before death to 5.2 in the last year of life, which equals a plus of 358 %. Metamizol (WHO level I) was the most frequently prescribed analgesic in the last year of life. The share of strong opioids (WHO level III) increased by 50 % from three years prior to death to the last year of life.

Conclusion: There is a huge increase of the prescription of analgesics prior to death to be observed in Germany. If a patients’ end of life is foreseeable, an effective therapy free of adverse events should be provided since most patients are old and will be treated with multiple drugs. Overall costs of drugs show only the third highest share (12.6 %) of all costs of medical services in the last year of life (after in-patient treatment and nursing).