Fortschr Neurol Psychiatr 2015; 83(08): 463-478
DOI: 10.1055/s-0035-1553484
Fort- und Weiterbildung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schematherapie: Ein Ansatz zur Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen[*]

Schema Therapy: An Approach for Treating Narcissistic Personality Disorder
E. Dieckmann
,
W. Behary
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Publication Date:
01 September 2015 (online)

Zusammenfassung

Dieser Artikel soll einen Überblick über die geschichtlichen Hintergründe des Narzissmuskonstruktes sowie die Diagnosekriterien liefern. Es werden verschiedene ätiologische Modelle diskutiert und das schematherapeutische Modell von Jeffrey Young elaboriert. Young entwickelte die Schematherapie (ST) als eine Alternative zur kognitiven Verhaltenstherapie für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen. ST unterscheidet sich von den kognitiven Standardtherapien in einigen zentralen Aspekten, wie bspw. der Sicht der Therapiebeziehung als Agens für die Bereitstellung „begrenzter elterlicher Fürsorge“. Außerdem liegt der Fokus des Ansatzes auf der Erfüllung zentraler Grundbedürfnisse des Patienten und der Einbeziehung emotionsaktivierender Techniken, zusätzlich zu kognitiven und behavioralen. Im Artikel werden Youngs Theorie der basalen menschlichen Grundbedürfnisse, frühen maladaptiven Schemata und Schemamodi diskutiert. Aus Sicht der Schematherapie entsteht die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) durch Traumatisierung in der Schemadomäne, die die Bindungsbedürfnisse abbildet. Menschen mit NPS tendieren zu starker Verletzlichkeit in Gefolge kränkender Ereignisse, zeigen diese vulnerable Seite jedoch nicht. Stattdessen benutzen sie maladaptive Copingstrategien wie den Modus der Selbstüberhöhung und den Modus des distanzierten Beschützers im Sinne einer Selbstwert stabilisierenden Strategie. Hier präsentieren sie sich als überlegen und arrogant oder von süchtigem oder zwanghaft anmutendem Verhalten geleitet. Diese Konzepte werden anhand von Patientenbeispielen illustriert.

Abstract

In this article, we review the history of the construct of narcissism and the diagnostic criteria for narcissistic personality disorder. We then discuss some etiological models of narcissism and introduce the model of Jeffrey Young, who developed Schema Therapy (ST) as an alternative to standard cognitive therapy for patients with personality disorders. ST differs from standard cognitive therapies in important respects, including limited reparenting, a focus on the patient’s basic needs, and emotional activating techniques in addition to cognitive and behavioral ones. We then discuss Young’s theory of basic needs, early maladaptive schemas, and schema modes. According to ST theory, narcissists are traumatized in the schema domain having to do with attachment needs. They are prone to vulnerable emotions in response to narcissistic injuries, although they often do not show these emotions directly. Instead, they use maladaptive coping strategies, resulting in emotional states, known as “schema modes”. This includes the Self-Aggrandizer mode and Detached Self-Soother mode, in which a superior, arrogant self-presentation and addictive or compulsive behavior serve a self-regulatory function. These concepts are illustrated by case examples of patients with Narcissistic Personality Disorder.

* Erstveröffentlichung in PSYCH up2date 2010; 4: 53 – 68