Aktuelle Ernährungsmedizin 2015; 40(06): 360-367
DOI: 10.1055/s-0035-1552771
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ernährung in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“[1]

Nutrition in Pregnancy – Practice Recommendations of the Network „Healthy Start – Young Family Network“
B. Koletzko*
1  Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ), Sprecher des Expertenbeirats
,
C.-P. Bauer*
2  Fachklinik Gaißach
,
P. Bung
3  Gynäkologische Praxisklinik, Bonn
,
M. Cremer
4  Redakteurin, Idstein
,
M. Flothkötter
5  aid infodienst
,
C. Hellmers*
6  Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V. (DGHWi)
,
M. Kersting*
7  Forschungsinstitut für Kinderernährung e. V. (FKE)
,
M. Krawinkel*
8  Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
,
H. Przyrembel*
9  ehem. Bundesinstitut für Risikobewertung
,
R. Rasenack
10  Univ.-Frauenklinik Freiburg
,
T. Schäfer*
11  Dermatologische Praxis, Immenstadt
,
K. Vetter*
12  Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung
,
U. Wahn**
13  Charité – Universitätsmedizin Berlin
,
A. Weißenborn*
14  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
,
A. Wöckel*
15  Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)
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Publication Date:
17 December 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Ernährung, Bewegung und die Lebensweise vor und während der Schwangerschaft beeinflussen die mütterliche und kindliche Gesundheit. Werdende Eltern werden dabei häufig mit unterschiedlichen Aussagen konfrontiert. Deshalb hat das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ – Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM der Bundesregierung – harmonisierte Handlungsempfehlungen zur Ernährung und Bewegung in der Schwangerschaft als Beratungsstandard entwickelt.

Material und Methodik: Die Autoren haben sich bei der Entwicklung der Handlungsempfehlungen vor allem auf vorhandene Leitlinien, Metaanalysen und systematische Übersichten gestützt.

Ergebnisse: Bis zum Ende der Schwangerschaft steigt der Energiebedarf nur um etwa 10 %, während der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen viel stärker zunimmt. Die Ernährungsempfehlungen orientieren sich an den Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung. Zusätzlich sollen schon bei Kinderwunsch und mindestens im ersten Schwangerschaftsdrittel 400 µg Folsäure/Tag als Supplement eingenommen werden. Neben jodreichen Lebensmitteln und Jodsalz wird ein tägliches Supplement mit 100 – 150 µg Jod empfohlen. Eine Vitamin-D-Supplementierung ist ratsam, falls keine regelmäßige Sonnenlichtexposition erfolgt. Eisenpräparate sollen nur individuell nach medizinischer Anamnese und Blutuntersuchung verwendet werden. Bei gezielter Lebensmittelauswahl ist eine gute Nährstoffversorgung auch mit einer ovo-lakto-vegetarischen Ernährung plus den genannten Supplementen möglich. Bei einer rein pflanzlichen (veganen) Ernährung ist eine ausreichende Versorgung ohne weitere Nährstoffsupplemente nicht zu gewährleisten. Schwangere sollten körperlich aktiv sein, sportliches Training aber nur mit mäßiger Intensität betreiben.

Schlussfolgerungen: Multiplikatoren sollten werdende Eltern zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil motivieren. Dafür bieten die Handlungsempfehlungen die fachliche Beratungsgrundlage. Um den Bekanntheitsgrad der Handlungsempfehlungen zu steigern, bietet das Netzwerk Medien für Fachkräfte und junge Familien sowie Multiplikatorenfortbildungen an.

Abstract

Background: Nutrition, physical activity and lifestyle in pregnancy influence maternal and child health. Expecting parents are often confused by conflicting advice around these topics provided by different sources. Therefore, the “Healthy Start – Young Family Network”, supported by the German Government with the national action plan IN FORM, has developed harmonized practice recommendations as a communication standard for healthcare professionals and a basis for Network activities.

Material and Methods: The recommendations were developed based primarily on existing guidelines, meta-analyses and systematic summaries.

Results: Energy needs increase by only 10 % by the end of pregnancy whereas micronutrient needs increase much more. Dietary recommendations for pregnant women follow those for the general population. In addition, Folic acid supplements (400 µg/day) are recommended for women planning a pregnancy, and supplementation should be continued at least during the first trimester. Iodine rich foods and salt and an iodine supplement (100 – 150 µg/day) are recommended. Vitamin D supplementation is advisable unless there is regular exposure to sunlight. Iron supplements should be used based on medical history and blood testing. Vegetarian diets with dietary supplements can provide adequate nutrition, but counseling is recommended. In contrast, a vegan diet is inadequate and requires additional micronutrient supplementation. Pregnant women should remain physically active and perform sports with moderate intensity.

Conclusion: Healthcare professionals should motivate expectant parents on health-promoting choices. These practice recommendations can serve as a communication standard.

To increase awareness of the recommendations the Network offers materials for healthcare professionals and young families, and training for professionals.

1 Dieser Artikel ist eine Kurzfassung des zweiteiligen Beitrags „Ernährung in der Schwangerschaft“ in: Dtsch med Wochenschr 2012; 137: 1366–1372 und 137: 1309–1314


* Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“.


** Ehemaliges Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“.