Geburtshilfe Frauenheilkd 2015; 75 - A16
DOI: 10.1055/s-0035-1548616

Was machen mit den Tuben? Vorgehensweisen bezüglich inzidenteller (prophylaktischer) Salpingektomie bei gynäkologisch-geburtshilflichen Operationen in Österreich

FL Potz 1, P Reif 1, R Laky 1, D Huemer 2, S Polterauer 3, P Greimel 4, L Hefler 5, K Tamussino 1
  • 1Medizinische Universität Graz
  • 2Medizinische Universität Innsbruck
  • 3Medizinische Universität Wien
  • 4KH der Barmherzigen Brüder Graz
  • 5KH der Barmherzigen Schwestern Linz

Fragestellung: In den letzten Jahren ist die Tube als Ursprung des epithelialen Ovarialkarzinoms postuliert worden. Demzufolge ist die inzidentelle („prophylaktische“) Salpingektomie im Rahmen von benignen gynäkologischen und geburtshilflichen Operationen zum Thema geworden. Andererseits ist eine mögliche Beeinträchtigung der Blutversorgung des Ovars durch die inzidentelle Salpingektomie möglich. Wir machten eine Umfrage über das Vorgehen bezüglich inzidenteller (prophylaktischer) Salpingektomie an allen öffentlichen Abteilungen in Österreich Ende 2014.

Methode: Alle 75 öffentliche gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilungen in Österreich erhielten elektronischen Zugang zu einem Umfragebogen, der mit dem Online-Tool SurveyMonkey erstellt wurde. Erfragt wurden die Vorgehensweisen bezüglich inzidenteller Salpingektomie bei benignen gynäkologischen Eingriffen inkl. Tubensterilisation, sowie bei der Sectio caesarea mit Sterilisationswunsch.

Ergebnisse: 65 Abteilungen beantworteten die Umfrage (Rücklaufquote: 87%). Im Rahmen benigner gynäkologischer Eingriffe empfehlen 46/65 (71%) der Abteilungen die inzidentelle Salpingektomie. Auch im Rahmen einer Sterilisation ist mit 72% die am häufigsten angewendete Methode die Salpingektomie bzw. Fimbriektomie. Als Grund für die Empfehlung zur Salpingektomie gaben alle (100%) Abteilungen die Intention der Prophylaxe des Ovarialkarzinoms an.

11/65 der Abteilungen (17%) empfehlen die Salpingektomie nicht, von diesen sorgen sich 56% (5/11) um die Blutversorgung der Ovarien. Drei Kliniken, die die inzidentelle Salpingektomie nicht empfehlen, geben an, die Fragestellung sei bisher nicht diskutiert worden.

Schlussfolgerung: Ende 2014 ist die inzidentelle Salpingektomie bei benignen gynäkolog.-geburtshilflichen Eingriffen an österreichischen Abteilungen weit verbreitet. Die Intention der inzidentellen Salpingektomie ist die Prophylaxe des Ovarialkarzinoms.

[1] Crum CP. Intercepting pelvic cancer in the distal fallopian tube: theories and realities. Mol Oncol 2009;3: 165 – 70. [2] Kurman JJ. Origin and molecular pathogenesis of ovarian high-grade carcinoma. Ann Oncol 2013;24:16 – 21.