Zentralbl Chir 2016; 141(02): 197-203
DOI: 10.1055/s-0035-1545866
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Führt die Vakuumsaugtherapie tatsächlich zu einer Kosteneffektivität in der Allgemeinchirurgie im G-DRG-System?

Can Topical Negative Pressure Therapy be Performed as a Cost-Effective General Surgery Procedure in the German DRG System?
Z. Hirche
1   Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Unfallchirurgie, Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Deutschland
,
L. Xiong
2   Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen, Plastische und Handchirurgie an der Universität Heidelberg, Ludwigshafen am Rhein, Deutschland
,
C. Hirche
2   Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen, Plastische und Handchirurgie an der Universität Heidelberg, Ludwigshafen am Rhein, Deutschland
,
S. Willis
1   Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Unfallchirurgie, Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Deutschland
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
02. Juli 2015 (online)

Preview

Zusammenfassung

Einleitung: Die Vakuumsaugtherapie (VT) hat sich im klinischen Alltag weitgehend gegen andere konservative Wundtherapiemodalitäten durchgesetzt, obwohl es keine Daten mit hohem Evidenzgrad für die therapeutische Überlegenheit und Kosteneffektivität im G-DRG-System gibt. Ziel dieser Studie war eine Analyse der Kosteneffektivität der VT unter Berücksichtigung des G-DRG-Systems und der möglichen Abbildung über die operationsspezifischen Prozeduren (OPS), um Daten über die tatsächlichen Kosten und Erlöse der VT im Rahmen der stationären Therapie zu gewinnen. Patienten/Material und Methoden: In die retrospektive Analyse wurden 176 Patienten eingeschlossen, die von 2007 bis 2011 eine VT erhielten. In die Analyse der Kosteneffektivität konnten 149 Patienten eingeschlossen werden. Um den Einfluss auf die Kosteneffektivität zu ermitteln, wurde für jeden Kasus die Gesamtbasiserlösrate bestimmt. Dann wurde in einem Testsystem eine virtuelle identische Vergleichsgruppe generiert, indem für jeden Patienten die VT-Prozedur storniert und durch die Prozedur „Chirurgische Wundtoilette unter operativen Bedingungen“ ersetzt wurde. Anschließend wurden die Kosten für Verbandsmaterialien und Pumpenmiete (V/M) für die VT verrechnet. Dieser fiktive Kasus wurde neu gruppiert und die Gesamtbasiserlösrate neu berechnet. Aus der Differenz wurde der effektive Erlös für die VT individuell pro Kasus berechnet. Ergebnisse: Bei der Analyse der Kosteneffektivität wirkte sich bei 108 Fällen die VT nicht auf die Gesamt-DRG-Erlösrate aus (72,5 %). Unter Beibehaltung der jeweiligen Baserate betrug hier der Gesamt-DRG-Erlös unabhängig von der VT 2 323 570,04 €. Die Kosten für V/M betrugen 102 669,20 €. Bei 41 Fällen erbrachte die VT einen Einfluss auf die Kosteneffektivität (27,5 %); der DRG-Erlös mit VT betrug 607 422,03 € im Gegensatz zu 442 015,10 € ohne VT. Die Kosten für V/M betrugen für diese 41 Fälle 47 376,68 €. Bezogen auf die Gesamtgruppe von 149 Patienten ergab sich ein Kostenvorteil durch die VT von 6759,09 € in 5 Jahren. Schlussfolgerung: Unter Berücksichtigung erhöhter Kosten durch V/M ist die VT auf Grundlage der hier dargestellten Daten kostendeckend bei medizinischer Indikation einzusetzen. Trotz der Abbildung im G-DRG-System verbleibt in einem allgemeinchirurgischen Patientengut nur ein sehr geringfügiger, zusätzlicher Erlös. Der Behandlungsvorteil der VT (Wirkungsweise, Patientenkomfort, Behandlercompliance) ist von dieser isolierten Betrachtung unberücksichtigt. Weiterführende Untersuchungen sind notwendig, um die Rolle der VT unter ökonomischen Aspekten langfristig zu analysieren.

Abstract

Introduction: Topical negative pressure therapy (TNPT) has been established for surgical wound therapy with different indications. Nevertheless, there is only sparse evidence regarding its therapeutic superiority or cost-effectiveness in the German DRG system (G-DRG). This study was designed to analyse the cost-effectiveness of TNPT in the G-DRG system with a focus on daily treatment costs and reimbursement in a general surgery care setting. Patients/Materials and Methods: In this retrospective study, we included 176 patients, who underwent TNPT between 2007 and 2011 for general surgery indications. Analysis of the cost-effectiveness involved 149 patients who underwent a simulation to calculate the reimbursement with or without TNPT by a virtual control group in which the TNP procedure was withdrawn for DRG calculation. This was followed by a calculation of costs for wound dressings and TNPT rent and material costs. Comparison between the “true” and the virtual group enabled calculation of the effective remaining surplus per case. Results: Total reimbursement by included TNPT cases was 2 323 570.04 €. Costs for wound dressings and TNPT rent were 102 669.20 €. In 41 cases there was a cost-effectiveness (27.5 %) with 607 422.03 € with TNP treatment, while the control group without TNP generated revenues of 442 015.10 €. Costs for wound dressings and TNPT rent were 47 376.68 €. In the final account we could generate a cost-effectiveness of 6759 € in 5 years per 149 patients by TNPT. In 108 cases there was no cost-effectiveness (72.5 %). Conclusion: TNPT applied in a representative general surgery setting allows for wound therapy without a major financial burden. Based on the costs for wound dressings and TNPT rent, a primarily medically based decision when to use TNPT can be performed in a balanced product cost accounting. This study does not analyse the superiority of TNPT in wound care, so further prospective studies are required which focus on therapeutic superiority and cost-effectiveness.