Z Geburtshilfe Neonatol 2015; 219(02): 81-86
DOI: 10.1055/s-0034-1398659
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fetale Mortalität bei Einlingen ab Termin – eine Analyse bundesdeutscher Perinataldaten 2004–2013

Foetal Mortality in Singleton Foetuses at and beyond Term – An Analysis of German Perinatal Data 2004–2013
C. Schwarz
1  Frauenklinik AG Hebammenwissenschaft, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
,
E. Weiss
2  Frauenklinik, Klinikum Sindelfingen-Böblingen, Böblingen
,
C. Loytved
3  Department Gesundheit, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Winterthur, Switzerland
,
R. Schäfers
4  BSc Hebammenkunde, Hochschule für Gesundheit, Bochum
,
T. König
5  AQUA, Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, Göttingen
,
P. Heusser
6  Fakultät für Gesundheit Department für Humanmedizin Institut für Integrative Medizin Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin, Universität Witten/Herdecke, Herdecke
,
B. Berger
6  Fakultät für Gesundheit Department für Humanmedizin Institut für Integrative Medizin Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin, Universität Witten/Herdecke, Herdecke
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

eingereicht 02. Dezember 2014

angenommen nach Überarbeitung 14. Januar 2015

Publikationsdatum:
13.März 2015 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Die fetale Mortalität steigt vermutlich nach Überschreiten des Geburtstermins an. Ob eine Geburt eingeleitet werden soll, oder ob es besser ist, beobachtend abzuwarten, sobald eine Schwangere den Geburtstermin erreicht hat, bleibt Gegenstand von fachlichen Diskussionen. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Ansätze zur Berechnung des Risikos für eine Totgeburt. Um eine angemessene Diskussion über die Risiken der Terminüberschreitung führen zu können, werden aktuelle relevante Daten benötigt.

Methode: In der vorliegenden Arbeit wird die fetale Mortalität von Einlingen ohne Fehlbildungen in Deutschland zwischen 2004 und 2013 während verschiedener Schwangerschaftswochen beschrieben. Die Risikoberechnung erfolgt nach der Berechnungsgrundlage von Totgeburten je 1 000 Geburten der jeweiligen Schwangerschaftswoche (SSW) vs. der Berechnung nach dem „fetus-at-risk“ Modell, in dem Totgeburten je 1 000 fortbestehende Schwangerschaften zu dieser SSW zugrunde gelegt werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss genehmigte die Sonderauswertung.

Ergebnisse: 5 933 117 Geburten erfüllten die Einschlusskriterien. Die fetale Mortalität je 1 000 Geburten der SSW ist am niedrigsten zwischen 41+0 und 41+6 SSW (0,7/1 000). Danach steigt die Rate auf 2,3/1 000 zwischen 42+0 und 42+6 SSW. Mit dem „fetus-at-risk“ Modell zeigt sich die niedrigste Mortalität zwischen 37+0 und 39+6 SSW bei etwa 0,2 Totgeburten je 1 000 fortbestehender Schwangerschaften. Zwischen der 41+0 und 41+6 liegt die fetale Mortalität bei 0,6, und in der folgenden Woche dann bei 2,3 je 1 000. Ab der 42+6 SSW ergibt sich bei beiden Rechenarten eine Mortalitätsrate von 6,3/1 000.

Schlussfolgerung: Die fetale Mortalität ist bis 41+6 SSW insgesamt sehr niedrig. Eine Empfehlung zur routinemäßigen Einleitung vor diesem Zeitpunkt scheint nicht sinnvoll.

Abstract

Background: Foetal mortality appears to increase in postmature pregnancies. There is debate on the optimal timing of induction of labour vs. watchful waiting. The literature on retrospective analyses of secondary data is inconclusive. Different approaches to calculate foetal risk exist. Recent and relevant data are needed in order to realise an appropriate discussion.

Material and Methods: Mortality in singleton foetuses in Germany, between 2004 and 2013 was analysed in relation to gestational age. Risk for foetal death is described comparing stillbirths per 1 000 births at a particular gestational age (GA) vs. stillbirths per 1 000 ongoing pregnancies (“fetus-at-risk” model). Access to German routine perinatal data was granted. We included all stillbirths in singleton foetuses with no malformations after 36+6 weeks gestational age from 2004 until 2013.

Results: 5,933,117 births fulfilled our inclusion criteria. Foetal mortality per 1 000 births during that week of pregnancy is lowest between 41+0 and 41+6 days of (0.7/1 000). Mortality then increases to 2.3/1 000 in 42+0 to 42+6 GA. With the “fetus-at-risk” model, mortality is low between 37+0 and 39+6 GA, ranging from 0.2/1 000 ongoing pregnancies, increasing to 0.6/1 000 between 41+0 and 41+6, and 2.3/1 000 in the following week. For pregnancies lasting longer than 42+6 weeks, the stillbirth risk is identical at 6.3/1 000 with both calculation methods.

Conclusion: Fetal mortality is low until 41+6 weeks of pregnancy. Interpretation of current data does not support a policy of routine IOL before this gestational age in singleton foetuses.

Condensed Content