Z Geburtshilfe Neonatol 2015; 219(1): 3-4
DOI: 10.1055/s-0034-1397591
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Geburtshilfe
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neurologie – Magnesiumtherapie in der Schwangerschaft: Outcome ehemaliger Frühgeborener im Schulalter

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Publikationsdatum:
03. März 2015 (online)

Hintergrund: Für Magnesiumsulfat, das bei der Behandlung der Präeklampsie sowie als Tokolytikum eingesetzt wird, konnten neuroprotektive Effekte im Rahmen der Frühgeburtlichkeit nachgewiesen werden. Sehr unreife Frühgeborene, deren Mütter aufgrund einer drohenden Frühgeburt präpartal eine Magnesiumtherapie erhalten hatten, entwickeln in der frühen Kindheit seltener eine infantile Zerebralparese oder motorische Störungen. Die australische Arbeitsgruppe untersucht, inwiefern eine Magnesiumgabe während der Schwangerschaft im Vergleich zu Placebo das Verhalten sowie das neurologische, kognitive und schulische Outcome der ehemaligen Frühgeborenen im Schulalter beeinflusst.

Methoden: Zwischen 1996 und 2000 wurden in Australien und Neuseeland 1062 Schwangere mit einer drohenden Frühgeburt vor der 30. SSW in die randomisierte multizentrische ACTOMgSO4-Studie eingeschlossen. 535 Schwangere wurden mit Magnesium behandelt (Aufsättigungsdosis 4 g, Erhaltungsdosis 1 g / h für maximal 24 h), und 527 erhielten Placebo. 867 der überlebenden Kinder (Magnesium n = 443; Placebo n = 424) wurden zur Follow-up-Untersuchung im Schulalter eingeladen. 669 (77 %) dieser Kinder konnten zwischen 2005 und 2011 im korrigierten Alter von 6 bis 11 Jahren hinsichtlich des Wachstums und der Lebensqualität sowie ihrer neurologischen, sensorischen und neuropsychologischen, kognitiven, intellektuellen, funktionellen und verhaltenspsychologischen Fähigkeiten mit Hilfe einer Reihe standardisierter Testverfahren beurteilt werden.

Ergebnisse: Die Mortalitätsrate der 1255 zum Zeitpunkt der Randomisierung lebenden Feten bis zum Schulalter war in der Magnesiumgruppe nicht signifikant geringer als in der Placebogruppe (88/629; 14,0 % vs. 10/626; 17,6 %; p = 0,08). Die Kinder beider Gruppen wurden durchschnittlich im Alter von 8,4 Jahren (SD 1,0) beurteilt. Die Kinder der Magnesium- bzw. der Placebogruppe zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Rate infantiler Zerebralparesen (23/295; 8 % vs. 21/314; 7 %; OR 1,26; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,84-1,91; p = 0,27) sowie der Rate motorischer Dysfunktionen (80/297; 27 % vs. 80/300; 27 %; OR 1,16; 95 %-KI 0,88-1,52; p = 0,28). Auch hinsichtlich der übrigen kognitiven, schulischen, sensorischen, neuro- und verhaltenspsychologischen Parameter sowie hinsichtlich des Wachstums fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Ergebnisse änderten sich auch nicht nach Adjustierung bezüglich des Geschlechts sowie sozialer Einflussvariablen.

Fazit

Die Magnesiumtherapie Schwangerer mit drohender Frühgeburt vor der 30. SSW hatte weder einen Einfluss auf das Wachstum noch auf das neurologische, kognitive, verhaltenspsychologische oder funktionelle Outcome der Kinder im Schulalter. Ein Mortalitäts-Vorteil konnte hingegen nicht ausgeschlossen werden. Die Autoren empfehlen weitere Studien, um das Fehlen eines langfristigen Benefits zu bestätigen.

Dr. Judith Lorenz, Künzel