Gesundheitswesen 2016; 78(05): 313-318
DOI: 10.1055/s-0034-1396852
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ist Arbeit im Alter gesund? Erkenntnisse aus Familienunternehmen am Beispiel der bayerischen Agrarwirtschaft

Is Work in Older Age Healthy? Findings from Family Run Businesses Using the Example of Bavarian Rural Economics
C. Hetzel
1   Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH, Köln
,
M. Holzer
2   Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Selbstverwaltung/Öffentlichkeitsarbeit, Landshut
,
F. Allinger
3   Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Prävention, Landshut
,
R. Watzele
4   Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Prävention, München
,
G. Hörmann
5   Universität Bamberg, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik, Bamberg
,
A. Weber
6   Berufsförderungswerk Dortmund, Medizinischer Dienst, Dortmund
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Publication History

Publication Date:
23 February 2015 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Arbeiten in der zweiten Lebenshälfte ist individuell und gesellschaftlich bedeutsam. Ziel der Studie ist es, die subjektive Gesundheit von älteren, insbesondere jenseits des gesetzlichen Renteneintrittsalters erwerbstätigen oder mithelfenden Personen in Familienunternehmen am Beispiel der bayerischen Agrarwirtschaft mehrdimensional zu beschreiben.

Methode: Es wird eine 3-stufige, proportional nach regionalem Populationsumfang geschichtete Zufallsstichprobe gezogen und eine querschnittliche Fragebogenerhebung durchgeführt (persönliche Ausgabe der Fragebögen, postalischer Rücklauf n=3 176, 39,1%). Die Ergebnisse der Stichprobe (Männer 59.8%, mindestens 65 Jahre 60,8%, kleinste/kleine Betriebe 61,8%) sind verallgemeinerbar.

Ergebnis: Die Lebenszufriedenheit ist im Vergleich zur deutschen Bevölkerung ähnlicher Alterskohorte etwa gleich. Im Vergleich zum gewerblich-technischen Bereich liegen deutlich weniger körperliche Beschwerden, weniger Befindensbeeinträchtigungen und eine sehr deutlich höhere Arbeitsfreude vor. Die Gesundheitsindikatoren sind unabhängig von betrieblichen Strukturen, aber mit Alter und Geschlecht assoziiert – beim Alter teils nicht-linear.

Schlussfolgerung: Die Untersuchung zeigt, dass Arbeit im Alter eine Quelle für subjektive Gesundheit sein kann. Möglicherweise ist die Betriebsnachfolge in Familienunternehmen gesundheitsrelevant. Die Befunde dürften mindestens auf strukturähnliche Agrarregionen sowie das Handwerk übertragbar sein. Sie stützten die individuelle Auseinandersetzung mit und die gesellschaftliche Debatte um ein positives Alters- und Alternsbild.

Abstract

Aim of Study: Working in second half of life is individually and socially important. The aim of this study is to multidimensionally evaluate the subjective health situation of older people, in particular those beyond the legal age of retirement who are working or assisting in family run businesses, using the example of Bavarian rural economics.

Methods: A 3 stage random sample stratified proportionally to regional population numbers was selected for a cross-sectional questionnaire survey (personal delivery, postal return n=3 176, 39.1%). Sample results can be generalised (men 59.8%, at least 65 years old 60.8%, smallest/small enterprises 61.8%).

Results: Life satisfaction is similar to that of the German age cohort population. In comparison to commercial and technical fields, physic and psychological complaints are lower and work pleasure is much higher. Health indicators are not dependent on enterprise structures, but on age and gender – on age partly non-linearly.

Conclusion: Our results indicate that working in older age can be a source of subjective health. Process of family business succession may effect health. Results might be applicable to other structurally similar agriculture regions and to craft sector. They promote individual confrontation with and social debate on a positive image of old age and aging.