Gesundheitswesen 2016; 78(11): 765-771
DOI: 10.1055/s-0034-1396850
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schichtarbeit bei Männern und Frauen an der Schwelle zum höheren Erwerbsalter – Arbeitsumstände und Gesundheitszustand

Shift Work among Men and Women on the Threshold to Higher Working Age – Working Conditions and Health Status
C. Leser
1  Otto-Friedrich-Universität, Bamberg
,
A. Tisch
2  Institut für Arbeitmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg
,
S. Tophoven
2  Institut für Arbeitmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg
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Publication History

Publication Date:
16 April 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Zahl älterer Erwerbspersonen in Schicht- und Nachtarbeit hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist der Anteil von Frauen unter den Schichtarbeitenden stark angestiegen. Dies ist auf die älter werdende Erwerbsbevölkerung sowie die Ausweitung der Schichtarbeit im tertiären Bereich zurückzuführen. Die bisherige Forschung zeigt, dass Schichtarbeit häufig mit gesundheitlichen Belastungen einhergeht. Vor diesem Hintergrund zielt die Studie darauf ab, die Situation erwerbstätiger Männer und Frauen an der Schwelle zum höheren Erwerbsalter in Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und physischer Gesundheit näher zu betrachten.

Methodik: Auf Basis von Daten der Kohortenstudie „lidA – leben in der Arbeit“ werden lineare Regressionsmodelle geschätzt. Hierbei wird der Einfluss von Schichtarbeit – mit und ohne Nachtarbeit – und weiteren Arbeitsexpositionen unter Kontrolle von Schlafstörungen und dem gesundheitsrelevanten Verhalten, auf die körperliche Gesundheit der Babyboomerjahrgänge 1959 und 1965 ermittelt (n=5 637). Die Modelle werden stratifiziert nach Geschlecht sowie für Frauen außerdem nach dem Erwerbstätigkeitsumfang.

Ergebnisse: Im Ergebnis zeigt sich, dass Schichtarbeiter vor allem durch ihre Arbeiterstellung und durch physische Expositionen belastet sind; Schichtarbeiterinnen zusätzlich durch hohe Verausgabung und geringe Belohnung. Arbeiten sie in Teilzeit, zudem durch übersteigerte berufliche Verausgabungsbereitschaft.

Schlussfolgerung: Die Arbeitsbedingungen der Schichtarbeit sind stärker von Belastungen geprägt als Tätigkeiten mit Normalarbeitszeiten. Zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit älter werdender, schichtarbeitender Männer und Frauen sind weitere spezifische Arbeitsschutz- und Kompensationsmaßnahmen, wie auch eine sensible Personalführung unabdingbar. Arbeitsschutzmaßnahmen sollten dabei vermehrt auch die psychosozialen Arbeitsbedingungen berücksichtigen.

Abstract

Background: The number of older employees in shift and night work has increased significantly in recent years. Furthermore, the proportion of women in shift and night work has increased markedly. This is due to the aging workforce and the expansion of shift work in the tertiary sector. Previous research shows that shift work is often associated with health risks. Against this background, the aim of the present study is to examine the situation of working men and women on the threshold to higher working age with regard to the relationship between shift work and physical health.

Methods: We employed data from the study „lidA – leben in der Arbeit“ German Cohort Study on Work, Age and Health, a survey of the German baby boom cohorts born in 1959 and 1965 (n=5 637). Linear regression models are used to study the effect of shift work – with and without night work – and of further work exposures on the baby boomers’ physical health status. The models control for sleep and health-related behaviour and are stratified by gender. Among women, also the scope of work was taken into account.

Results: The results show that male shift workers are burdened by their on average lower occupational status and by physical exposure; female shift workers additionally suffer from high personal effort and low rewards and female part-time shift workers also from overcommitment.

Conclusion: Working conditions of shift workers are strongly characterised by work stress. In order to preserve aging shift workers’ work ability, some organisational measures seem necessary. In this context, occupational safety and health management as well as opportunities for recovery and encouraging leadership should be considered.