Zeitschrift für Phytotherapie 2014; 35(06): 259
DOI: 10.1055/s-0034-1395830
Editorial
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Ahmed Madisch
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Publication Date:
02 February 2015 (online)

Der Durchfall ist ein häufig genanntes Symptom des Magen-Darm-Traktes, das unabhängig von möglichen Komplikationen zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führt. Exakte epidemiologische Daten zur Häufigkeit des Durchfalls fehlen. In allen Ländern außerhalb der westlichen Welt ist Durchfall eine häufige Todesursache, während das Symptom in den Industrienationen meist nur zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt.

Während der akute Durchfall in der Regel selbstlimitierend ist, erfordert ein chronischer Durchfall immer eine diagnostische Abklärung mit anschließender entsprechender Therapie je nach Befund. Unabhängig von der Chronizität fragen viele Patienten gerade bei dem Symptom Durchfall nach „sanften“ Arzneimitteln und greifen zu phytotherapeutischen Therapien, die in der Regel symptomatisch und weniger ursächlich sind. Beim akuten Durchfall sind dieses in erster ­Linie Adsorbentien wie z. B. Kaffeekohle (u. a. Carbo Königsfeld). Bei akuter Diarrhö mit dünnflüssigem bis wässrigem Stuhl kann die Eichenrinde helfen, ist der Durchfall mit krampfartigen Bauchschmerzen verbunden, gilt Uzarawurzel als Mittel der Wahl mit unterschiedlichen Darreichungsformen. In der Praxis haben sich auch vier- bis fünfmal täglich je fünf getrocknete Heidelbeeren bewährt. Getrocknete Heidelbeeren enthalten Gerbstoffe und wirken adstringierend, antidiarrhoisch, antiseptisch und antiemetisch.

Im Gegensatz zum akuten Durchfall ist die wissenschaftliche Evidenz für den Einsatz von Phytotherapeutika bei Erkrankungen mit chronischem Durchfall wesentlich besser. Dieses gilt insbesondere für die funktionellen Störungen des Magen-Darm-Traktes. Speziell beim Reizdarmsyndrom vom Durchfalltyp ist der Einsatz von Quellmitteln, Probiotika, Kombinationspräparaten aus Pfefferminz- und Kümmelöl sowie phytotherapeutischen Vielpflanzenextrakten durch placebokontrollierte Studien abgesichert und auch in Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften empfohlen. Das vorliegende Heft beschäftigt sich unter anderem mit dem diagnostischen und therapeutischen Vorgehen bei chronischer Diarrhö.