Krankenhaushygiene up2date 2015; 10(02): 105-112
DOI: 10.1055/s-0034-1392456
Antibiotikaanwendung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Perioperative Antibiotikaprophylaxe: ein Update

Stefan Maier
,
Christian Eckmann
,
Axel Kramer
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
31. Juli 2015 (online)

Kernaussagen

Die PAP ist ein wichtiger Bestandteil im Rahmen der Multi-Barrieren-Strategie zur Vermeidung postoperativer Wundinfektionen. Sie sollte durchgeführt werden bei sauberen Eingriffen mit entsprechenden Risikofaktoren sowie bei sauber-kontaminierten und kontaminierten Eingriffen. Die Festlegung hierüber sowie die Wahl des geeigneten Präparats sollten durch ein interdisziplinäres Team erfolgen und richtet sich insbesondere nach der lokalen Erreger- und Resistenzlage.

Die Antibiotikaprophylaxe erfolgt möglichst 30 – 60 min vor dem Hautschnitt bis spätestens zur Hautnaht. Verantwortlich für die Gabe ist die Anästhesie. Die OP-Checkliste der WHO mit Einführung des Team-Time-Outs sollte genutzt werden, um die korrekte und indikationsgerechte Durchführung der AB-Prophylaxe zu unterstützen. Grundsätzlich wird die PAP nur einmal gegeben, lediglich bei OP-Dauer über 3 h und bei Präparaten, die ansonsten 3-mal pro Tag dosiert werden, wird die Gabe wiederholt. Eine Fortführung der Prophylaxe länger als 24 h entspricht einer Therapie und sollte nicht durchgeführt werden. Das Risiko für antibiotika-assoziierte Nebenwirkungen und Auftreten resistenter Erreger steigt signifikant an, ohne dass sich die Rate an postoperativen Wundinfektionen ändert. Allein durch Einsparen der falsch verstandenen prolongierten Antibiotikaprophylaxe könnten in Deutschland jährlich 5 Tonnen Antibiotika eingespart werden.