Radiologie up2date 2015; 15(02): 139-157
DOI: 10.1055/s-0034-1392102
Pädiatrische Radiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Bildgebende Diagnostik des inneren weiblichen Genitales bei Kindern

Imaging of uterus and ovaries in children
I. Sorge
,
F. W. Hirsch
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Publication Date:
23 June 2015 (online)

Zusammenfassung

Die klinischen Symptome von Erkrankungen des Uterus bzw. der Ovarien sind relativ unspezifisch. Sie reichen von völliger Symptomlosigkeit über Bauchschmerzen bis hin zum akuten Abdomen, können aber auch Störungen der Pubertätsentwicklung und Menstruations- oder Konzeptionsprobleme umfassen. Mit dem Ultraschall lassen sich die meisten Erkrankungen zuverlässig diagnostizieren, die MRT kommt als Second-Line-Diagnostik besonders bei Fehlbildungen und dem Verdacht auf eine Tumorerkrankung zum Einsatz.

Entscheidend für die Interpretation auffälliger Befunde ist die Kenntnis altersabhängiger Normalbefunde – das Wissen um grundlegende embryologische Vorgänge erleichtert das Verständnis von Fehlbildungen. Im folgenden Artikel werden sowohl Normalbefunde als auch eine Vielzahl von Erkrankungen des inneren weiblichen Genitales im Kindes- und Jugendalter anhand von Bildbeispielen vorgestellt; differenzialdiagnostische Überlegungen, Fallstricke und typische Bildbefunde werden diskutiert.

Abstract

The clinical symptoms of pathologies of the uterus and ovaries are relatively unspecific. Their presentation includes absence of symptoms, abdominal pain and acute abdomen – but also developmental alterations during puberty and problems with menstruation and conception.

Ultrasound can reliably diagnose most of these diseases. MRI is being a second line of diagnostics especially in cases of malformation and possible tumors.

It is decisive for a valid interpretation of results to be aware of age-dependent normal findings and to have a working knowledge of embryologic processes, especially to understand how deformities take shape.

This article is presenting normal findings and many pathologies of the female inner genital in childhood and puberty. By using exemplary images we will cover their differential diagnoses, pitfalls and typical presentations.

Kernaussagen
  • Zentrales Bildgebungsinstrument für die Beurteilung des inneren weiblichen Genitales ist die Sonografie. Der erfahrene Untersucher kann bei entsprechenden Untersuchungsbedingungen (volle Harnblase!) sowohl asymptomatische Erkrankungen, wie angeborene Ovarialzysten, Tumoren oder Fehlbildungen, als auch akute, therapiebedürftige Zustände wie die Ovarialtorsion mit hoher Sensitivität erkennen.

  • Insbesondere bei komplexen Fehlbildungen ist die MRT Mittel der Wahl zur Darstellung der anatomischen Situationen. Dabei kommen überwiegend T2w SE-Sequenzen ohne Fettsättigung in allen 3 Raumebenen zur Anwendung.

  • Physiologische Follikel innerhalb des Ovars dürfen nicht mit pathologischen Ovarialzysten verwechselt werden und sollten deshalb auch sprachlich von diesen abgegrenzt werden.

  • Bei Raumforderungen des Ovars ist die Aufgabe der Bildgebung die Differenzierung einer Ovarialzyste von einem (benignen oder malignen) Tumor.

  • Die Ovarialtorsion ist ein Notfall und in der B-Bild-Sonografie an der einseitigen massiven Vergrößerung des Ovars erkennbar.

  • Fehlbildungen des Uterus und der Vagina können durch Anomalien der Entwicklung der Müller-Gänge und/oder durch Entwicklungsstörungen des Sinus urogenitalis entstehen.

  • Fehlbildungen des Uterus und der Vagina sind häufig mit einseitigen Nierenfehlbildungen bzw. Agenesien verbunden, deshalb sollte bei Einnierigkeit immer das innere Genitale mit untersucht werden.