Krankenhaushygiene up2date 2015; 10(01): 9-26
DOI: 10.1055/s-0034-1391959
Nosokomiale Infektionen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das mikrobiologische Kolonisationsscreening bei Neu-und Frühgeborenen

Klinischer Nutzen oder nur Kosten?
Renate Ziegler
,
Stefan Schäfer
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Publication History

Publication Date:
24 April 2015 (online)

Kernaussagen
  • Nosokomiale Infektionen auf Früh- und Neugeborenen-Intensivpflegestationen haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Durch mehrere Todesfälle in größeren Kliniken und den damit verbundenen Berichterstattungen der Medien ist dieses Thema auch in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt.

  • Als eine Maßnahme, Infektionsausbrüche möglichst zu verhindern oder zumindest frühzeitig erkennen zu können, empfiehlt die KRINKO ein mikrobiologisches Kolonisationsscreening für alle Neugeborenen einer NICU. Das wöchentliche Screening soll auf multiresistente Erreger erfolgen, aber auch auf Bakterienspezies ohne spezielle Resistenzen, die mit einer besonderen Pathogenität, mit einem besonders hohem Risiko von nosokomialen Infektionsausbrüchen oder mit Konsequenzen für die antibiotische Therapie assoziiert werden.

  • In Anlehnung an die MRGN-Klassifikation der KRINKO für multiresistente gramnegative Erreger wird mit dem Begriff 2MRGNNeoPäd eine weitere Klassifikation für gramnegative Erreger mit Resistenzen gegen 2 der 4 wichtigsten Antibiotikaklassen in der Neonatologie eingeführt. Erreger mit nur 2 resistenten Antibiotikagruppen (Penicilline und Cephalosporine) sind in der Neonatologie und Pädiatrie von besonderer Relevanz, da für eine Therapie mit Fluorchinolonen Kontraindikationen bestehen.

  • Die KRINKO-Empfehlung betont die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von verantwortlichem Kliniker, Mikrobiologen und Krankenhaushygieniker. Die zeitnahe telefonische Übermittlung relevanter Screening-Befunde sowie die regelmäßige Übermittlung von Ergebnisberichten, die rasche Einleitung einer gezielten Therapie und die Umsetzung von Hygienemaßnahmen bei MRE-Nachweis und nicht zuletzt regelmäßige Schulungen und Begehungen vor Ort sind die Grundlagen einer effizienten Infektionskontrolle.

  • Längerfristige Ergebnisse und geeignete Effizienzparameter sind erforderlich, um den Nutzen und insbesondere auch die Kosten für das mikrobiologische Kolonisationsscreening bei Neugeborenen zu begründen.