Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2014; 49(9): 514-519
DOI: 10.1055/s-0034-1390053
Fachwissen
Intensivmedizin & Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kasuistik – Hämodynamik während nicht invasiver Wiedererwärmung bei schwerer akzidenteller Hypothermie

Case report – Hemodynamic variables of a deep hypothermic patient over the period of external rewarming
Florian Jelschen
,
Jörg Zundel
,
Andreas Weyland
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Publication History

Publication Date:
19 September 2014 (online)

Zusammenfassung

Die schwere akzidentelle Hypothermie ist ein seltener Notfall im Rettungsdienst, der trotz zügiger und adäquater Therapie durch eine hohe Mortalitätsrate gekennzeichnet ist. Wir berichten über einen tief hypothermen (25,5° C)und spontanatmenden Patienten, der initial eine stabile Hämodynamik zeigte und mittels konvektiver Methoden nichtinvasiv wiedererwärmt wurde. Wir beschreiben und diskutieren erstmalig die gemessenen hämodynamischen Parameter eines erweiterten Monitorings im Verlauf der spontanen Wiedererwärmung.

Abstract

Deep accidental hypothermia is a very rare emergency, most of these patients die despite of immediate and adaequate therapy. We report on a hypothermic patient who was in a stable hemodynamic condition and breathing spontaneously at a temperature of 25.5°C. He was rewarmed with non-invasive methods. We describe and discuss the hemodynamic variables of an advanced monitoring during the time of external rewarming.

Kernaussagen

  • Die schwere Hypothermie ist im Rettungsdienst ein seltener Notfall, verläuft jedoch oftmals letal.

  • Die erforderlichen Erstmaßnahmen vor Ort sind von der klinischen Situation des Patienten abhängig. Eine Intubation ist bei fehlenden Schutzreflexen zu erwägen.

  • Bei Narkoseeinleitung besteht durch Vasodilatation und Umverteilungsphänomene ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen.

  • Die hämodynamische Situation ist entscheidend für die Wahl des Zielkrankenhauses.

  • Bei instabiler Hämodynamik bzw. einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist ein zügiger Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine anzustreben.

  • Etwaige Reanimationsbemühungen sollten bis zum Erreichen der Normothermie suffizient fortgesetzt werden.

  • „Nobody is dead until he is rewarmed and dead.“

  • Bei stabilen Kreislaufverhältnissen ist auch bei schweren Hypothermien eine nicht invasive Erwärmung mit konvektiven Verfahren möglich.

  • Ein erweitertes hämodynamisches Monitoring liefert im intensivmedizinischen Verlauf wichtige Parameter zur Therapiesteuerung und Therapieoptimierung.

Ergänzendes Material