Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2014; 49(9): 506-513
DOI: 10.1055/s-0034-1390052
Fachwissen
Intensivmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die Querschnittlähmung – Intensivmedizinische Aspekte

Spinal cord injury (SCI) – Aspects of intensive medical care
Gesa Leyk
*  Gesa Leyk und Sven Hirscheld haben zu gleichen Teilen zum Manuskript beigetragen.
,
Sven Hirschfeld
*  Gesa Leyk und Sven Hirscheld haben zu gleichen Teilen zum Manuskript beigetragen.
,
Ralf Böthig
,
Ute Willenbrock
,
Roland Thietje
,
Stefan Lönnecker
,
Markus Stuhr
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Publication History

Publication Date:
19 September 2014 (online)

Zusammenfassung

Mit ca. 2000 neuen Fällen/Jahr in Deutschland ist die akute Querschnittlähmung (QSL) aus traumatischer oder nicht traumatischer Ursache quantitativ zwar ein weniger bedeutsames intensivmedizinisches Krankheitsbild als z.B. die Sepsis, gilt aber aufgrund der Auswirkungen auf den Patienten, der Komplexität der Behandlung und auch der enormen Folgekosten als bedeutsames Krankheitsbild. Außerhalb spezialisierter Zentren besteht oft wenig Routine im Umgang mit Querschnittgelähmten, insbesondere bei hoher Halsmarklähmung. In Abhängigkeit von Lähmungshöhe und -ausmaß kann es sowohl in der Akutphase als auch in der weiteren stationären Rehabilitation sowie der häuslichen Umgebung zu Komplikationen kommen, die eine intensivmedizinische Behandlung erfordern. Bei hoher oder ultrahoher QSL stellt die Dauerbeatmungspflicht zudem eine eigenständige intensivmedizinische Behandlungsform dar, zu der inzwischen mehr Erfahrungen vorliegen. Neuere Therapieoptionen, wie z.B. die Implantation eines Zwerchfellnervenschrittmachers, erfordern die Auseinandersetzung mit dem Thema, da heute deutlich mehr Patienten mit (hoher) Querschnittlähmung rehabilitiert werden können und deren Lebenserwartung ständig steigt.

Abstract

With 2000 new cases/year in Germany spinal cord injury (SCI) is quantitatively less important for intensive care medicine than, e.g., sepsis. But, due to the consequences for the patient, the intricacy of treatment and the enormous costs, it is a significant clinical picture. Outside of specialized centers, routine experience with SCI is largely lacking, particularly in cases of tetraplegia. Dependent on the level of the paralysis, complications in the acute situation, the hospitalization and the rehabilitation are common and need intensive medical care. Lifelong mechanical ventilation is needed in some cases of cervical SCI, for which experience has since grown. New therapeutic options have become implemented (e.g., electrophrenic/diaphragm pacing), have a need to be examined, and extend lifespan in cases of SCI. As a result more patients have a chance for rehabilitation today than in previous decades."

Kernaussagen

  • Eine Querschnittlähmung kann traumatisch oder nicht traumatisch entstehen.

  • Bei spinalen Läsionen im zervikalen oder hochthorakalen Bereich kann es zu einer Reihe schwerwiegender, teils lebensbedrohlicher Komplikationen kommen, allen voran zu Störungen im kardiovaskulären System wie Hypotonien und Bradykardien.

  • Bei entsprechender Lähmungshöhe ist im Akutstadium jederzeit mit einer respiratorischen Insuffizienz mit konsekutiver Entwicklung einer maschinellen Beatmungspflicht zu rechnen. Daher sollten diese Patienten auf einer Intensivstation überwacht werden.

  • Aufgrund der Komplexität der Verletzung oder Erkrankung und der Prävention, Diagnostik und Behandlung von Komplikationen sollten frisch querschnittgelähmte Patienten frühzeitig einem spezialisierten Zentrum zugeführt werden.

Ergänzendes Material