Monochorial-diamniale Zwillingsschwangerschaften tragen immer ein erhöhtes Komplikationsrisiko
für Mutter und beide Kinder. In der Literatur gibt es nur wenige Berichte, die monochorial
– diamniale Zwillingsschwangerschaften mit nachgewiesener mehr als 30% Wachstumsdiskrepanz
beschreiben.
Fallvorstellung: Eine 27-jährige II. Gravida/Nullipara stellt sich in der 16 + 2 SSW zur erweiterten
Ultraschaldiagnostik bei spontan eingetretener monochorial-diamnialer Geminigravidität
in der Klinik vor. Bei der Vorstellung war der II Zwilling 58% leichter als der führende
Zwilling. Die Wachstumstendenz der Zwillinge und AFI wurden 2 bis 4-wöchentlich überwacht
(17, 19, 22, 25, 29 SSW). Eine Amniozentese hat die Patientin abgelehnt. Die Patientin
wurde in der 31 SSW zur genannten Lungeninduktion sowie zur engmaschigen stationären
Überwachung aufgenommen (Doppler und CTG). In der 33 + 3 SSW wurde wegen mangelnder
Gewichtszunahme des II. Zwillings (Wachstumsdiskrepanz 35%) der elektive Kaiserschnitt
durchgeführt. Bei unauffälliger Sonoanatomie des retardierten Zwillings stellt man
sonographisch eine singuläre Nabelarterie und intraoperativ eine Insertio velamentosa
fest.
Schlussfolgerung: Eine monochorial-diamniale Zwillingsschwangerschaft mit mehr als 30% Wachstumsdiskrepanz
zwischen beiden Feten kann durch eine gute Beobachtung und gut gewählten Zeitpunkt
zur Schwangerschaftsbeendigung auch ein neonatologisch gutes Endergebnis für beide
Kinder haben.