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DOI: 10.1055/s-0034-1386927
Gesundheitskonferenzen in Europa: eine Einführung
Hintergrund: Strukturierte Gesundheitskonferenzen bieten als „runde Tische“ eine Möglichkeit, die Handlungsmöglichkeiten im Gesundheitsmanagement zu erweitern. Bisher fehlt ein Überblick über Gesundheitskonferenzen in Europa mit der Zusammenführung der Ergebnisse aus den verschiedenen Regionen und Entwicklungsphasen.
Methode: Der deskriptive Überblick basiert auf Recherchen über Gesundheitskonferenzen in Europa in Literatur- und Datenbanken (Pub Med, SowiPort, MEDPILOT, Medline, Google Scholar, Deutsche Nationalbibliothek) sowie Internetrecherchen.
Ergebnisse: Gesundheitskonferenzen sind regional sehr unterschiedlich in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz verbreitet. Die Implementierungsstrategien reichten in den Ländern von Einzelaktionen bis zu einem flächendeckenden Netz von 27 regionalen Gesundheitskonferenzen in Frankreich. In Deutschland und in Österreich geht die Etablierung von Gesundheitskonferenzen vor allem auf Förderprogramme von Bundesländern oder kommunale Initiativen zurück, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten seit den 90er Jahren einsetzten. Gesundheitskonferenzen sind in Deutschland in rund einem Drittel der Kreise verbreitet. In Österreich bestehen eine Bundesgesundheitskonferenz sowie Gesundheitskonferenzen in fünf Ländern und einem Stadtbezirk. Darüber hinaus gibt es noch eine Gesundheitskonferenz im Schweizer Kanton Uri und in der Euregio Maas-Rhein. Es besteht eine große Heterogenität zwischen den Gesundheitskonferenzen und ihre Einbettung in das jeweilige Gesundheitssystem. In den wenigen Evaluationsberichten überwiegen die positiven Ergebnisse zur Kooperation und Netzwerkbildung insgesamt deutlich die Befunde zu restriktiven Gestaltungsmöglichkeiten.
Schlussfolgerungen: Die Verbreitung von Gesundheitskonferenzen ist in Mitteleuropa relativ hoch. Der Überblick zeigt, dass sie vor allem in Ländern mit föderaler Struktur oder Gesundheitssystemen mit Sozialversicherungssystem existieren. Es besteht ein erkennbarer Evaluationsbedarf bezüglich der Durchführung und Wirksamkeit von Gesundheitskonferenzen. Ein Fachaustausch zwischen den unterschiedlichen Gesundheitskonferenzen könnte der konzeptionellen Weiterentwicklung dienen und innovative Ansätze generieren.