Z Gastroenterol 2015; 53(02): 120-124
DOI: 10.1055/s-0034-1385770
Übersicht
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Brustschmerz – nicht immer das Herz! Klinische Bedeutung gastrointestinaler Erkrankungen beim nicht-kardialen Thoraxschmerz

Chest pain – not always the heart! Clinical impact of gastrointestinal diseases in non-cardiac chest pain
T. Frieling
1  Medizinische Klinik II, HELIOS Klinikum Krefeld
,
G. Bergdoldt
2  Medizinische Klinik I, HELIOS Klinikum Krefeld
,
H. D. Allescher
3  Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Stoffwechsel & Nephrologie, Klinikum Garmisch-Partenkirchen GmbH, Garmisch-Partenkirchen
,
J. F. Riemann
4  Gastro-Liga e. V., Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V., Gießen
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

18 August 2014

23 November 2014

Publication Date:
10 February 2015 (online)

Zusammenfassung

Nicht kardiale Thoraxschmerzen (NCCP) sind rekurrierende Angina pectoris ähnliche Schmerzen, für deren Ursache sich durch konventionelle Untersuchungen keine koronare Herzerkrankung nachweisen lässt. Die Häufigkeit von NCCP beträgt bis zu 70 % bei Patienten mit Brustschmerzen und findet sich in dieser Größenordnung auf allen Versorgungsebenen des Gesundheitswesens (Allgemeinarzt, Notfallaufnahme, „Chest Pain Unit“, Herzkatheterlabor). Bei Patienten mit NCCP ist die Lebensqualität genauso, teilweise sogar stärker eingeschränkt, als bei Patienten mit kardialen Brustschmerzen. Gründe für den hohen Leidensdruck von Patienten mit NCCP sind die Persistenz der Beschwerden in etwa 50 % der Fälle, die unklare Ursache der Beschwerden mit hieraus resultierender Verunsicherung und die mangelnde Einbindung anderer Fachbereiche zur weiteren Abklärung der NCCP. Die Betreuung von Patienten mit NCCP muss interdisziplinär erfolgen, da sich häufig nicht kardiale Ursachen finden. Hier ist insbesondere auch die Gastroenterologie gefordert, da sich in 50 – 60 % eine gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD), in 15 – 18 % Speiseröhrenmotilitätsstörungen mit Spasmus, Nussknackerösophagus bzw. Achalasie und in 32 – 35 % andere Veränderungen der Speiseröhre als Ursache der Schmerzen nachweisen lassen (z. B. infektiöse Speiseröhrenentzündungen, tabletteninduzierte Ulzera, Ringe, Webs, eosinophile Ösophagitis). So ist u. a. eine regelmäßige gemeinsame Visite mit anderen Fachdisziplinen bzw. eine gemeinsame Führung der „Chest Pain Units“ zu fordern, da häufig eine weiterführende differenzierte nicht kardiale Diagnostik notwendig ist.

Abstract

Non cardiac chest pain (NCCP) are recurrent angina pectoris like pain without evidence of coronary heart disease in conventional diagnostic evaluation. The prevalence of NCCP is up to 70 % and may be detected in this order at all levels of the medical health care system (general practitioner, emergency department, chest pain unit, coronary care). Reduction of quality of life in NCCP is comparable, partially even higher compared to cardiac chest pain. Reasons for psychological strain are symptom recurrence in app. 50 %, nonspecific diagnosis with resulting uncertainty and insufficient integration of other medical disciplines in diagnostic work-up. Managing of patients with NCCP has to be interdisciplinary because non cardiac causes of chest pain may be found frequently. Especially gastroenterological expertise is required because in 50 – 60 % of cases gastroesophageal reflux disease (GERD), in 15 – 18 % hypercontractile esophageal motility disorders with nutcracker, jackhammer esophagus or distal esophageal spasmus or achalasia and in 32 – 35 % other esophageal alterations (e. g. infectious esophageal inflammation, drug-induced ulcer, rings, webs, eosinophilic esophagitis) as cause of chest pain may be detected. This implicates that regular interdisciplinary round wards and management of chest pain units are mandatory.