Diabetes aktuell 2014; 12(2): 66-70
DOI: 10.1055/s-0034-1378122
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Diabetes und Rheuma – Interaktionen und Auswirkungen auf die Therapie

Diabetes and rheumatic diseases – interaction and effect on therapy
Nicolai Leuchten
1   Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
,
Anne-Kathrin Tausche
1   Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
,
Martin Aringer
1   Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
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Publication Date:
09 May 2014 (online)

Entzündliche Gelenkbeschwerden müssen im Alltag von den viel häufigeren, degenerativen Beschwerden abgegrenzt werden. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen müssen langfristig, oft lebenslang, medikamentös behandelt werden. Die häufig nötige Glukokortikoidtherapie kann zur Demaskierung einer prädiabetischen Stoffwechsellage führen und die antidiabetische Therapie verkomplizieren. Die Komorbidität Diabetes mellitus und entzündlich-rheumatische Erkrankung führt zu einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko. Dieses Risiko besteht auch bei optimaler Therapie und Krankheitskontrolle fort und wird durch die gängige Messung des Lipidprofiles eher unterschätzt. Daraus ergibt sich, dass in diesem Patientenkollektiv eine bestmögliche Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren anzustreben ist. Abhängig von der laufenden Therapie und vorliegenden Erkrankung ist mit einer erhöhten Infektanfälligkeit zu rechnen. Organschäden, Alter und Nebenerkrankungen erhöhen das Risiko von schweren Verläufen und Komplikationen. Daher sind auch Impfungen unbedingt zu empfehlen, mit der Ausnahme von Lebendimpfungen unter Biological-Therapie. Gicht ist bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mit Abstand die häufigste Ursache für eine Gelenkentzündung. Um Anfälle zu vermeiden, sollte die Serumharnsäure dauerhaft unter 360 μmol/l gesenkt werden. Die Behandlung von Patienten mit diesen beiden chronischen Erkrankungen ist komplex und sollte in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit erfolgen. Die Anstrengung lohnt sich jedoch, da die zukünftige Lebensqualität unserer Patienten auch maßgeblich von den therapeutischen Interventionen abhängt, die wir heute durchführen.

It is a continuous challenge in daily practice to distinguish inflammatory from non-inflammatory arthritis, the latter being a lot more common. In case of inflammatory rheumatic diseases, long-term, and often life-long, medication is required. Glucocorticoid therapy can lead to manifestations of diabetes mellitus type 2 in prediabetic patients and can interfere with the anti-diabetic therapy. Comorbidity of diabetes and chronic inflammatory disease leads to a substantially increased cardiovascular risk. This risk persists even under optimal disease control and is underestimated by the routine measurement of the lipid profile. Therefore a tight control of cardiovascular risk factors is essential in these patients. Dependent on the disease and the therapeutic regimen an increased susceptibility to infection is to be expected. Since organ damage, age and comorbidities increase the risk of complications, vaccination is absolutely recommended. Live vaccines are contraindicated in patients treated with biologics. Gout is by far the most common cause for inflammatory joint symptoms in patients with type 2 diabetes. The goal is to reduce the serum uric acid permanently to a level below 6 mg/dl. We should aim at an interdisciplinary approach regarding patients with diabetes and rheumatic diseases. The quality of our present care influences significantly the patients' future quality of life.