Geburtshilfe Frauenheilkd 2014; 74 - A27
DOI: 10.1055/s-0034-1376487

Betreuung von Geminischwangerschaften mit Diabetes – Bedeutung der Ultraschallparameter für die Stoffwechseleinstellung

F Weschenfelder 1, W Battefeld 2, E Schleußner 1, T Groten 1
  • 1Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Abteilung Geburtshilfe, Universitätsklinikum Jena
  • 2Klinik für Innere Medizin III, Endokrinologie/Stoffwechselerkrankungen, Universitätsklinikum Jena

Fragestellung:

Nach den neuen Richtlinien zur Behandlung von Diabetikerinnen in der

Schwangerschaft wird der Zielbereich der Blutzuckereinstellung in Abhängigkeit vom fetalen

Wachstum definiert. Ein Vorgehen bei Zwillingsschwangerschaften mit ungleichem

Wachstumsverhalten der Kinder ist dabei bisher nicht festgelegt.

Methodik:

Beschreibung von zwei Fallbeispielen von Geminischwangerschaften mit Gestations- bzw. Typ2-Diabetes und des Einflusses des fetalen Wachstums auf die Therapie.

Ergebnisse:

Fall 1: Patientin mit insulinpflichtigem Gestationsdiabetes. In der 27. SSW kommt es zu einer deutlichen Zunahme des fetalen Abdominalumfangs (AU) und der Fruchtwassermenge von Zwilling II. Dosissteigerung des Insulins und Optimierung der Stoffwechselkontrolle. Erst bei akzelerierendem Wachstum des zweiten Zwillings Einstellung auf niedrigeren Zielbereich (MBG < 5,5 mmol/l). Danach konkordantes Wachstum beider Kinder auf der 50. Perzentilen bei guter Stoffwechsellage bis zur Geburt.

Fall 2: Patientin mit insulinpflichtigem Typ 2- Diabetes. In der 30. SSW diskordantes Wachstum mit dezelerierendem Wachstum bei Zwilling II. Daraufhin Kostlockerung und im Verlauf Anhebung des MBG-Zielbereich um 1 mmol/l auf 6,0 (bis max. 6,5 mmol/l) und Reduktion der Insulinmenge. Bei weiter dezelerierendem Wachstum von Zwilling II weitere Kostlockerung. Dann stabiles Wachstum beider Kinder Zwilling I auf der 50. Perzentilen und

Zwilling II auf der 15. Perzentilen bis zur Geburt, bei einer MBG zwischen 6,0 und 6,5 mmol/l.

Schlussfolgerung:

In den beiden vorgestellten Fällen orientierte sich die Therapiekontrolle des Diabetes in der Schwangerschaft am Wachstum des vom Perzentilenverlauf abweichenden Zwillings. Dies führte zu einer Optimierung der Wachstumsverläufe und war nicht zum Nachteil des zweiten Zwillings. Zur Etablierung dieses Vorgehens bedarf es der Beobachtung weiterer Zwillingsschwangerschaften mit Diabetes.