Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2014; 11 - A48
DOI: 10.1055/s-0034-1375407

Chirurgische Therapie ausgedehnter kutaner Metastasen eines Mammakarzinoms

N Hamoudah 1, H Henseler 2, P Vogt 2
  • 1Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
  • 2Medizinische Hochschule Hannover, Plastische Chirurgie, Hannover, Deutschland

Einführung:

Die Therapie des Mammakarzinoms der letzten Jahre beruht auf einem systemischen Ansatz. Wenngleich multidisziplinäre Tumorkonferenzen die Erkrankung aus dem Blickwinkel verschiedener Fachdisziplinen beleuchten, erscheint die chirurgische Therapie an Bedeutung zu verlieren. Wir möchten daher anhand eines Falles die Option plastisch-chirurgischer Therapie aufzeigen.

Methode:

Eine Patientin mit fortgeschrittenem Mammakarzinom unterzog sich über zwei Jahre einer systemischen Therapie von Hautmetastasen. Sie berichtete von zahlreichenden, nicht erfolgreichen Versuchen durch Wechsel eingesetzter Chemotherapien Linderung zu erzielen. Nach weiterer auswärtiger palliativer Tumorexzision von zunehmenden nekrotisierenden Hautveränderungen und fehlgeschlagener Defektdeckung stellte sie sich mit großem, übelriechendem Weichteildefekt an der vorderen Thoraxwand bis zur Mitte des Rückens bei uns vor. Eine Thoraxwandinfiltration bestand gemäß des vorliegenden MRT nicht. Nach üblicher Vorbereitung und Aufklärung erfolgte die großflächige Tumorextirpation an der Throaxvorderseite und zirkulär bis zur Wirbelsäule. Zur Defektdeckung erfolgte das lokale Advancement des Oberbauches und Rückens und die Anlage eines Vakuumverbandes. Nach Vorliegen der Histologie wurde die endgültige Defektdeckung mittels großflächiger Hauttransplantate und Anlage eines Vakuumverbandes durchgeführt.

Ergebnis:

Eine großflächige palliative Therapie ausgedehnter Hautmetastasen wurde erfolgreich durchgeführt. Eine suffiziente, vollständige und dauerhafte Defektdeckung der Thoraxwand durch einfache, lokale Maßnahmen erfolgte. Die Geruchsbelästigung und offene Wundfläche verschwand vollständig. Die Patientin war überglücklich und gewann gemäß ihrer Aussage einen neuen Lebensmut wieder am sozialen Leben ihrer Familie teilnehmen zu wollen. Der Gewinn an Lebensqualität wurde von ihr betont.

Schlussfolgerung:

Die chirurgische Therapie stellt bei sehr ausgedehnten Befunden eine wertvolle Behandlungsergänzung dar, die mit palliativem Ansatz dem Patienten durch lokale Tumorkontrolle einen unschätzbaren Gewinn an Lebensqualität bieten kann.