Lege artis 2014; 4(2): 69
DOI: 10.1055/s-0034-1373811
Editorial
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Was tun, was lassen?

Daniela Erhard
,
Peter Galle
,
Götz Geldner
,
Alfred Königsrainer
,
Frank-Gerald Pajonk
,
Julia Rojahn
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Publication History

Publication Date:
07 May 2014 (online)

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Arztes: Zu entscheiden, wann man eine bestimmte Behandlung vorschlägt, und wann es besser ist, auf sie zu verzichten und z. B. erst einmal abzuwarten. Diese Frage stellt sich nicht erst bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, sondern schon bei der Behandlung „einfacher“ Infekte: Wird der Patient von einer Antibiotika-Gabe profitieren? Oder trägt man damit v. a. zur „Züchtung“ multiresistenter Bakterien bei? Welche Probleme solche Keime bereiten und wie man sie in Schach halten kann, lesen Sie ab Seite 86.

Auch bei innovativen Krebstherapien, die große Erwartungen wecken, ist genaues Abwägen nötig: Welche Patienten kommen dafür infrage, welche würde man unnötig belasten? Ein Beispiel stellen wir auf Seite 98 vor: Die Peritonektomie mit intraperitonealer hyperthermer Chemotherapie bei Bauchfellkrebs. Sorgfältig ausgewählten Patienten kann dieser Eingriff viele Jahre Überleben ermöglichen, manche werden sogar geheilt – obwohl der Tumorbefall des Peritoneums vor einigen Jahren noch als terminales Stadium mit einer Prognose von wenigen Monaten galt.

Aber auch, wer invasive Behandlungen unterlässt, ist ja nicht untätig: Als Arzt können Sie den Patienten zumindest begleiten und ihm die Situation erträglicher machen, auch indem Sie die Angehörigen einbeziehen. Eine gute Angehörigenarbeit geht ggf. sogar über den Tod des Patienten hinaus – etwa bis zu einem kleinen Abschiedsritual am Bett des Verstorbenen, wie es ein Geriater im Beitrag ab Seite 80 beschreibt.

Dass weniger manchmal mehr sein kann, zeigt auch unser Schlüsselerlebnis (S. 126): Nachdem ein junges Ärztepaar lange vergeblich versucht hat, ein Kind zu bekommen, klappt es ausgerechnet in einem Moment, als die beiden gerade nicht damit rechnen. Die zahlreichen Untersuchungen und Diagnosen, die sie über sich ergehen lassen mussten, haben dazu wenig beigetragen.

Wir wünschen Ihnen stets ein gutes Augenmaß, um sich zwischen Abwarten und Handeln richtig zu entscheiden!

Ihre Herausgeber und Ihre Redaktion

Herausgeber

P. Galle, Mainz

G. Geldner, Ludwigsburg

A. Königsrainer, Tübingen

F.-G. B. Pajonk, Schäftlarn

Experten-Panel

P. Berlit, Essen

S. Bleich, Hannover

J. Bossenmayer, Stuttgart

H.-P. Bruch, Lübeck

M. Christ, Nürnberg

B. Debong, Karlsruhe

J. Glatzle, Tübingen

T. Hemmerling, Montreal

D. F. Hollo, Celle

J. Riemann, Ludwigshafen

Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Hannover

Redaktion

Dr. Daniela Erhard

Georg Thieme Verlag KG

Rüdigerstraße 14 70469 Stuttgart

E-Mail: legeartis@thieme.de

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