Fortschr Röntgenstr 2014; 186 - VO317_4
DOI: 10.1055/s-0034-1373188

Systematische unabhängige Doppelbefundung im deutschen Mammografie-Screening-Programm: Was ist der Zugewinn?

S Weigel 1, W Heindel 1
  • 1Universitätsklinikum Münster, Institut für Klinische Radiologie, Münster

Zielsetzung:

Quantifizierung des Zugewinns an Brustkrebsdetektion im digitalen Mammografie-Screening-Programm durch die unabhängige Doppelbefundung.

Material und Methodik:

Eingeschlossen wurden Untersuchungen einer digitalen Einheit 1/2007 – 12/2011 (n = 127.542, 52% Erstrunde, 48% Folgerunde), durchgeführt von 5 Ärzten nach Abschluss der Supervision. Die prospektive Befundeinschätzung (Stufe 1, 2: kein weiterer Abklärungsbedarf, Stufe 4, 5: Vorstellung in der Konsensuskonferenz) wurde in der Screening-Software dokumentiert und verwendet. Richtig positiv ist die Befundstufe 4, 5 mit nachfolgender Brustkrebsdiagnose innerhalb des Programms. Falsch negativ bezeichnet die Stufe 1, 2 wobei aus der Zweitbefundung die Diagnosestellung innerhalb des Programms resultierte. Berechnet wurde der Zugewinn von Frauen mit einem Screening-detektierten Karzinom bzw. die Steigerung der Brustkrebsdetektionsrate durch die Doppelbefundung.

Ergebnisse:

Bei 127.542 unabhängigen Doppelbefundungen von 63.771 Teilnehmerinnen wurden 1.036 richtig positive und 102 falsch negative Befundungen verzeichnet. Bei 569 Frauen wurde Brustkrebs diagnostiziert; bei 102/569 Frauen (18%) resultierend aus einer richtig positiven in Kombination mit einer falsch negativen Befundung, bei 467/569 Frauen (82%) resultierend aus einer doppelt richtig positiven Befundung. Die richtig positive Befundung in Ergänzung zu einer falsch negativen führte zu einem Anstieg von Teilnehmerinnen mit einer Karzinomdiagnose von 467 auf 569 (22%). Die Brustkrebsdetektionsrate mit einer zweifach richtig positiven Befundung lag bei 0,73% (467/63.771), die Brustkrebsdetektionsrate mit mindestens einer richtig positiven Befundung lag bei 0,89% (569/63.771).

Schlussfolgerungen:

Obwohl die Detektionsrate mit doppelt positiver Befundung im akzeptablen Bereich liegt (0,73%, 2,7 fache der Hintergrundsinzidenz bei vergleichbaren Anteilen von Erst- und Folgerunden-Screening), führt die unabhängige Doppelbefundung zu einer Steigerung der Brustkrebsdetektion um 22%.

E-Mail: weigels@uni-muenster.de